Leitfaden für die Gestaltung, Implementierung und Nutzung von Qualitätsprüfungen für Textilien




KI-gestützte Qualitätskontrolle kann kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) helfen, ihre Produktions- und Servicequalität zu verbessern und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Dieser Leitfaden unterstützt KMU bei der Einführung KI-basierter Qualitätskontrolle und richtet sich zugleich an Entwicklerinnen und Entwickler solcher Systeme.
Der Schwerpunkt liegt auf der menschenzentrierten Gestaltung, Implementierung und Nutzung von KI-Qualitätskontrolle in KMU mit Betonung der Ergonomie in der Mensch-System-Interaktion. Der Leitfaden orientiert sich an DIN EN ISO 9241-210 Ergonomie der Mensch-System-Interaktion – Teil 210: Menschzentrierte Gestaltung interaktiver Systeme. Technische Aspekte können mit zusätzlichen Leitlinien und Normen adressiert werden.
- VDI/VDE 2206 – Entwicklung cyber-physischer mechatronischer Systeme (CPMS)
- VDI 2221 – Entwicklung technischer Produkte und Systeme
- VDI 3714 – Implementierung und Betrieb von Big-Data-Anwendungen in der Fertigungsindustrie
- Leitfaden zur Implementierung von Smart-Factory-Konzepten
Dieser Ansatz berücksichtigt die spezifischen Herausforderungen und Anforderungen von KMU bei der Einführung KI-basierter Qualitätskontrollsysteme. Die VDI-3714-Richtlinien bieten ergänzende Einblicke in die Implementierung datengetriebener Lösungen in industriellen Umgebungen, was für KMU besonders hilfreich ist, die sich mit der Komplexität von KI und Big Data in Qualitätskontrollprozessen auseinandersetzen.
Folgende Aspekte sind zu berücksichtigen:

1. Nutzeranalyse
- Primäre Nutzergruppen müssen identifiziert werden (z. B. Qualitätsprüferinnen und -prüfer, Produktionsleitung, Technikerinnen und Techniker)
- Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen dieser primären Nutzergruppen im Umgang mit Qualitätskontrollsystemen und KI-Technologien müssen erfasst werden
- Mögliche Einschränkungen oder besondere Bedürfnisse der Nutzenden müssen identifiziert und berücksichtigt werden

2. Aufgabenanalyse
- Die aktuellen Qualitätskontrollprozesse und -aufgaben müssen beschrieben werden
- Herausforderungen und Verbesserungspotenziale in bestehenden Prozessen identifizieren (z. B. anhand der empfohlenen Vorgehensweise gemäß dem zu Beginn genannten Leitfaden zur Implementierung von Smart-Factory-Konzepten)
- Die Ziele und erwarteten Ergebnisse der KI-basierten Qualitätskontrolle müssen spezifisch, messbar, akzeptabel, realistisch und terminiert beschrieben werden.

3. Technische und physische Umgebung
- Die vorhandene IT-Infrastruktur und technischen Ressourcen des KMU müssen beschrieben werden, ebenso wie
- Die physische Arbeitsumgebung, in der das System eingesetzt wird
- Mögliche Einschränkungen oder Besonderheiten der Produktionsumgebung

4. Organisatorischer Kontext
- Die Unternehmensstruktur und -kultur des KMU muss von allen Beteiligten verstanden werden (insbesondere von Lösungsanbietern und anderen externen Parteien)
- Relevante Stakeholder und ihre Erwartungen an das System müssen identifiziert werden
- Rechtliche und ethische Aspekte des KI-Einsatzes in der Qualitätskontrolle müssen erfasst werden

5. Datenanalyse
- Verfügbare Datenquellen und -formate für die KI-basierte Qualitätskontrolle müssen erfasst werden
- Qualität und Menge der verfügbaren Daten sind zu bewerten
- Mögliche Datenschutz- und Datensicherheitsanforderungen müssen formuliert werden

Nutzeranforderungen spezifizieren
Diese Phase ist entscheidend für die erfolgreiche Entwicklung und Implementierung eines KI-basierten Qualitätskontrollsystems, das den Bedürfnissen der Nutzenden und des Unternehmens gerecht wird. Ziel ist es, klare und präzise Anforderungen zu definieren, die als Grundlage für die Gestaltung und Bewertung des Systems dienen.

1. Nutzeranforderungen erfassen
- Die Ziele, die Nutzende mit dem KI-System erreichen möchten, müssen erfasst werden.
- Die Anforderungen, die erfüllt sein müssen, damit Nutzende ihre Ziele erreichen, sind zu beschreiben.
- Die Anforderungen müssen aus der Nutzerperspektive beschrieben werden, ohne technische Details vorzugeben.
2. Anforderungen priorisieren
- Die Bedeutung jeder Anforderung für den Geschäftserfolg ist zu bewerten.
- Technische Machbarkeit und verfügbare Ressourcen sind zu bestimmen.
- Eine priorisierte Liste der Nutzungsanforderungen ist abzuleiten.
3. Anforderungen spezifizieren
- Die Anforderungen müssen im Detail aufgelistet werden.
- Die Anforderungen sollten den Qualitätskriterien der ISO 9241-210 entsprechen:
- Messbarkeit
- Widerspruchsfreiheit
- Vollständigkeit
- Machbarkeit
- Nachprüfbarkeit
4. Nutzungskontext berücksichtigen
- Informationen zu Nutzenden, Aufgaben, Arbeitsmitteln und organisatorischen Rahmenbedingungen sollten einbezogen werden.
- Spezifische Anforderungen von KMU, wie begrenzte Ressourcen oder besondere Branchenanforderungen, müssen von allen Beteiligten verstanden und berücksichtigt werden.
5. Dokumentation und Validierung
- Eine strukturierte Dokumentation der Nutzeranforderungen ist zu erstellen.
- Die Anforderungen müssen gemeinsam mit den beteiligten Stakeholdern und potenziellen Nutzenden validiert werden.
- Die Erfüllung der Anforderungen im Hinblick auf die Bedürfnisse und Erwartungen der Nutzenden ist zu prüfen.

Gestaltungslösungen entwickeln
Ziel dieser Phase ist es, auf Basis der zuvor ermittelten Nutzungsanforderungen und des Verständnisses des Nutzungskontexts konkrete Gestaltungslösungen zu entwickeln. Zur Gestaltung der technologischen Aspekte des zu entwickelnden Systems können einzelne Schritte gemäß den Richtlinien VDI 2221 (Methodik zur Entwicklung und Konstruktion technischer Systeme und Produkte) und VDI 2206 (Entwicklungsmethodik für mechatronische Systeme) durchgeführt werden:
1. Problemanalyse und Anforderungsdefinition (VDI 2221)
2. Funktionsstruktur erstellen (VDI 2221)
3. Prinziplösungen und Modulstrukturen entwickeln (VDI 2221)
4. Domänenspezifische Ausgestaltung (VDI 2206)
5. Systemintegration (VDI 2206)
6. Eigenschaftsvalidierung (VDI 2206)
In dieser Phase ist zudem zu beachten, dass der Entwicklungsprozess einem iterativen Ansatz entspricht. Das bedeutet, dass die entwickelten Gestaltungslösungen kontinuierlich bewertet und angepasst werden sollten. Dies entspricht dem zyklischen Ansatz der ISO 9241-210 und ermöglicht eine schrittweise Verbesserung des Systems.

Dokumentation
Alle Entscheidungen und Begründungen für bestimmte Gestaltungslösungen sollten sorgfältig dokumentiert werden. Dies erleichtert spätere Anpassungen und trägt zur Nachvollziehbarkeit des Entwicklungsprozesses bei.


Ethik
Besonderes Augenmerk sollte auf die ethischen Aspekte des KI-Einsatzes gelegt werden, einschließlich Datenschutz, Fairness und Transparenz der Entscheidungsfindung. Die Evaluation sollte auch die Auswirkungen des KI-Systems auf Arbeitsprozesse und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden berücksichtigen. Durch die konsequente Anwendung dieser Evaluationsprinzipien können KMU sicherstellen, dass ihre KI-basierten Qualitätskontrollsysteme nicht nur technisch effizient, sondern auch nutzerfreundlich und ethisch vertretbar sind. Dies fördert die Akzeptanz und den effektiven Einsatz der Technologie im Arbeitsalltag.







