Smart Textile Antenne

Smart Textile Antenne

ITA RWTH Aachen | Research & Development / Smart Textiles

Research & Development einer textilen Antenne

Smart Textile | Technical Textiles | Smart Clothing

Im Rahmen des ZIM KOREA Calls des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie hat ENTWURFREICH sein erstes eigenes Forschungsprojekt im Bereich Smart Textiles erfolgreich abgeschlossen. Die Nutzung von Smart Textiles ist noch nicht weit verbreitet; das wird sich jedoch in naher Zukunft ändern. Jacquard by Google prognostiziert, dass bis 2025 jede zehnte Person ihre Kleidung mit dem Internet verbinden wird. Unsere Forschungskooperation mit dem Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen (ITA) sowie den Technologiepartnern KITECH und RICHTEK aus Südkorea hat sich damit in einem Bereich führender Innovation und Technologie bewegt.

In den vergangenen 2,5 Jahren konnten wir gemeinsam Material- und Verfahrenskombinationen zur Realisierung einer textilen Antenne untersuchen und geeignete Fertigungsverfahren entwickeln. Das ENTWURFREICH-Team konzentrierte seine Arbeit auf die Identifikation geeigneter Märkte sowie möglicher Produktinnovationen und -konzepte. Ein weiteres Ergebnis des Forschungsprojekts war die Erarbeitung eines gemeinsamen Prozesses für die Entwicklung und Zertifizierung von Smart Textiles in Zusammenarbeit mit dem ITA.

Dieses Projekt wurde realisiert im Rahmen des ZIM (Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand):

ENTWURFREICH und ITA RWTH Aachen untersuchen gemeinsam Smart-Textile-Antennen-Muster und Prototypen an einem Workshop-Tisch

Technologischen Erfolg planbar machen mit MarketFitX (MFX)

Mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in internationalen Projekten mit nutzerzentrierten Innovationsprozessen haben wir unser Tool MarketFitX eingesetzt, um einen klar definierten Prozess zur Beurteilung der Marktfähigkeit neuer Materialien und Technologien zu entwickeln. Dabei haben wir folgende Schritte durchlaufen:

1. Definition der Eigenschaften und Besonderheiten einer neuen Technologie
2. Brainstorming zu spezifischen Bereichen und potenziellen Märkten
3. Bewertung der Ergebnisse anhand von technischer Machbarkeit, Marktfähigkeit und regulatorischen Einschränkungen
4. Tests mit potenziellen Kunden und Herstellung von Kontakt zu potenziellen Kooperationspartnern und Lizenznehmern
5. Spezifikation der Alleinstellungsmerkmale und möglicher Einsatzbereiche
6. Abschlussbericht und Auswertung

MarketFitX-Diagramm mit Technologie, Nutzer und Markt als drei Säulen des SURFTEX-Smart-Textile-Innovationsprozesses

Technologische Merkmale treffen auf Marktforschung (MFX Phase 1)

Um sicherzustellen, dass unsere neue Technologie für Kunden und Nutzerinnen und Nutzer attraktiv ist, haben wir zunächst die Merkmale herausgearbeitet, die uns von bereits eingesetzten Technologien abheben. Dazu gehörten zunächst die erhöhte Reichweite, die Materialflexibilität, die grundsätzliche Möglichkeit der Nutzung von Textilien sowie die Fähigkeit, mit einer textilen Antenne unterschiedliche Temperaturumgebungen zu messen. Mithilfe verschiedener Brainstorming-Techniken erarbeiteten wir Bereiche, in denen das Potenzial einer textilen Antenne genutzt werden kann, wobei erste Besonderheiten bei der Entwicklung von Smart-Textile-Lösungen für die anschließende standardisierte Entwicklung identifiziert werden konnten.

Brainstorming-Skizzen auf gelbem Papier mit SURFTEX-Textilantenne-Konzepten in Kleidung, Wearables und Industrie
Aufgeklapptes Bericht-Heft mit Bewertungsanalyse zu Signal, Komfort, Größe und Skalierung der SURFTEX-Textilantenne

Der erste Kontakt mit potenziellen Kunden und Nutzern (MFX Phase 2)

Die konzeptionellen Felder, in denen wir erstes Potenzial für spätere Anwendungen sahen, wurden im direkten Austausch mit der jeweiligen Zielgruppe bewertet. In den Gesprächen ging es zunächst darum, aktuelles Potenzial gegenüber bestehenden Technologien zu identifizieren, wie eine neue textile Antenne dieses Potenzial aufgreifen kann und wie es sich am besten in völlig neue Produktlösungen überführen lässt.

Zusätzliche Informationen wie etwa die Wünsche, Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Kunden halfen dabei, bisher ungenutztes Potenzial zu identifizieren. Die Auswertung dieser Daten erfolgte in einem klassischen Punktesystem gemeinsam mit den Konsortialpartnern. Die folgenden drei Hauptbereiche wurden ausgewählt:

Konzeptskizze eines Snowboarders und Wanderer mit Outdoor-Sport-Anwendungen für die SURFTEX-Smart-Textile-Antenne

Outdoor Sport

Alle sportlichen Aktivitäten, die im Freien und teilweise in abgelegenen Gebieten stattfinden (Beispiele: die stärkere Sendeleistung von Lawinenrettungssystemen und der verbesserte Empfang von GPS-Daten).

Konzeptskizzen von Feuerwehrmann- und Bauarbeiter-Anzügen mit Arbeitssicherheits-Anwendungsfällen der SURFTEX-Textilantenne

Arbeitssicherheit

Alle Szenarien, in denen Menschen für ihre Arbeit bewusst oder unbewusst in Gefahr geraten (Beispiele: Feuerwehreinsätze, die Erfassung von Bauarbeitern auf hochkomplexen Baustellen).

T-Shirt mit Antennenpatch und ältere Person mit Rollator als Beispiel für Consumer-Goods- und Fashion-Anwendungen

Consumer Goods / Fashion

Einer der größten betrachteten Märkte und damit auch potenziell in der Lage, die für die Serienproduktion erforderliche Stückzahl zu liefern. In diesem Anwendungsbereich kann die textile Antenne auch bewusst als Modeelement gestaltet werden.

Gefüllter Vorlesungssaal auf der Preview-in-Seoul-Textilmesse, wo ENTWURFREICH die SURFTEX-Forschungsergebnisse präsentierte

Präsentation @ Preview in Seoul (PIS), Südkorea

Die internationale Textilmesse Preview in Seoul ist auf hochfunktionale und nachhaltige Textilien spezialisiert und präsentiert jährlich die vielversprechendsten Produktinnovationen der Textilbranche. Matthias Menzel, Creative Director bei ENTWURFREICH, und Dr. Jan Jordan, Koordinator für EU-Aktivitäten am ITA, waren vor Ort, um die Ergebnisse dieses gemeinsamen Forschungsprojekts zu präsentieren. Besonders großes Interesse wurde dem MarketFitX-Prozess (entwickelt von ENTWURFREICH) und dessen Anwendung bei der Überführung von Smart-Textile-Konzepten in serienreife Produkte entgegengebracht.

Gemeinsam mit unseren koreanischen Partnern (KITECH und RICHTECH) konnten wir an den aktuellen Prototypen arbeiten und LoRa- sowie Bluetooth-Frequenzen vor Ort testen. Die gesammelten Ergebnisse ermöglichten es uns, Produktkonzepte mit besserer Bedienbarkeit und Fertigungsgerechtigkeit zu entwickeln. Insbesondere die Verlängerung der Bluetooth-Reichweite um den Faktor 10 war ein enormer Entwicklungsschritt.

Matthias Menzel präsentiert die SURFTEX-Smart-Textile-Antennen-Forschung auf der Preview-in-Seoul-Konferenz in Südkorea

Collage des SURFTEX-Forschungsbesuchs in Seoul: Team-Workshops, koreanische Lebensmittelmarkt-Szenen und Stadtansichten

Vom technischen Konzept zum definierten Fertigungsprozess (MFX Phasen 3+4)

Auf Basis dieser neuen Forschungsergebnisse konnte das ITA-Team (Herr Seidenberg, Herr Tenner & Herr Lauwigi) anschließend verschiedene Fertigungsverfahren unter Berücksichtigung der jeweiligen Anwendungsszenarien testen. Nachdem erste Herausforderungen hinsichtlich der Reproduzierbarkeit von Verarbeitungsverfahren überwunden waren, konnte ein nahezu vollständig automatisierter Prozess zur Herstellung textiler Antennen entwickelt werden.

Um einen serienreifen Prozess zu realisieren, wurden SOPs (Standard Operating Procedures) sowie Hilfsmittel wie Spanner und Schablonen entwickelt. Diese Richtlinien beschreiben den aktuellen Forschungsstand in Form einer Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Realisierung textiler Antennen.

Nahaufnahme zweier Textilantennenmuster mit blauen leitfähigen Punkt- und Streifenmustern, hergestellt am ITA der RWTH Aachen

Automatisierte Textilantennen-Fertigungslinie am ITA RWTH Aachen: Abwickler, Siebdruck, Härteofen und Aufwickeleinheit

SURFTEX-Konzeptübersicht mit Textilantennenvarianten und Anwendungsszenarien für Arbeiter, Sport, Feuerwehr und Radfahrer

Konzeptskizzen des Antennen-Patch-Gehäuses und eines Feuerwehranzugs mit integrierter SURFTEX-Textilantenne

Feuerwehrjacken-Prototyp mit SURFTEX-Textilantennenpatch am Ärmel und Detailaufnahme des gewebten Antennenbereichs

Anwendungsfall: Feuerwehrdienste (MFX Phase 5)

Einsatz einer textilen Antenne im Bereich der Feuerwehr

Eines unserer bevorzugten Anwendungsszenarien für die textile Antenne liegt im Bereich der Feuerwehr. Textile Antennen und ihre Eigenschaften bieten gegenüber der aktuellen Informationsübertragung viele Verbesserungen. Das technologische Potenzial wird zu Sicherheitsverbesserungen durch eine konstante und sichere Datenübertragung an schwer zugänglichen Orten führen. Darüber hinaus kann der Workflow von Rettungsdiensten mithilfe digitaler Technologien optimiert werden, was eine schnellere und sicherere Rettung von Menschen in Gefahrensituationen ermöglicht.

Zwei Feuerwehrleute in verrauchter Umgebung mit SURFTEX-Textilantennenpatch-Overlay und Signalübertragungsindikatoren
Feuerwehrmann in verrauchtem Gebäude hält SURFTEX-Repeater-Knoten zur Erweiterung der Textilantennennetzabdeckung
SURFTEX-Systemübersicht: Armband-Patch, Repeater-Modul und Tablet mit Echtzeit-Vitaldaten und Stockwerkortung für Feuerwehr

SurTex-App-Screens: Team-Antennenstatus-Übersicht und Feuerwehrmann-Vitaldaten inkl. Herzschlag, Sauerstoff und Hydration

SurTex-App-Screens mit Live-Stockwerkplan und Teamstandorten sowie Datenschutz-Einstellungen zur Datenweitergabe-Steuerung

Feuerwehrmann mit robustem Tablet zeigt SURFTEX-Live-Vitaldaten-Dashboard mit Teamstandorten und biometrischen Messwerten

Status quo

1. Technologie ist ready to market
2. Definierte Prozessbeschreibung zur Entwicklung von Smart Textiles in Kooperation mit dem ITA Aachen

Von Matthias Menzel · September 2017