4 Fragen vor dem Start einer Produkt-Design-Guideline

4 Fragen vor dem Start einer Produkt-Design-Guideline

2021-06-09

In den letzten Jahren erreichen uns immer mehr Anfragen von Unternehmen, die eine Produkt-Design-Guideline erstellen wollen. Das Thema firmiert unter verschiedenen Namen: VBL (Visual Brand Language), VPL (Visual Product Language), PSG (Product Style Guide) oder Industriedesign-Guideline.

Das Thema gewinnt auch international rasant an Bedeutung. Doch neben der Frage, welche Elemente eine Design-Guideline enthalten sollte (dazu mehr in einem zukünftigen Newsletter), wird ein Aspekt oft unterschätzt: Welche Form soll das Rahmenwerk haben? Dieser Punkt spielt eine entscheidende Rolle für den Erfolg.

Unsere Erfahrung zeigt: Eine Design-Guideline ist kein starres System. Sie ist immer so individuell wie das Unternehmen, für das sie entsteht. Deshalb empfehlen wir, vor dem Start diese vier Fragen zu klären:

1. Warum will Ihr Unternehmen eine Design-Guideline erstellen?

Auf den ersten Blick geht es oft um einheitliche Designsprache, Markenwiedererkennbarkeit oder konsistente Kundenerlebnisse an den verschiedenen Kontaktpunkten des Unternehmens. Dahinter stecken aber häufig tiefere Gründe:

  • Produktkosten senken durch häufigere Verwendung identischer Teile
  • Designabteilungen eine Grundlage geben, um Entwürfe zu bewerten und intern durchzusetzen
  • Time-to-Market-KPIs verbessern
  • Entwicklungskosten reduzieren (intern und extern)

Diese Gründe zu kennen ist entscheidend – sie spiegeln die Realität Ihres Unternehmens wider. Nur wenn die Guideline diese Realität abbildet, wird sie am Ende auch genutzt.

2. Wer wird die Design-Guideline nutzen?

Die Designer natürlich … vielleicht noch Marketing und Markenführung. Eventuell Produktmanagement … Und die Entwicklungsabteilung? Ja, die auch … Dieses Gespräch führen wir regelmäßig. Klären Sie frühzeitig, wer die Guideline wirklich nutzen soll. Jede Abteilung braucht andere Informationen aus einem solchen Dokument. Definieren Sie Ihre Zielgruppe und den Mehrwert, den Sie ihr bieten. Wenn Sie später auch externen Designagenturen Zugang geben wollen, lohnt es sich, wiederkehrende Briefing-Elemente in einem eigenen Bereich der Guideline unterzubringen.

3. Welche Brand-, Marketing- und Design-Guidelines existieren bereits?

In den meisten Unternehmen gibt es bereits verschiedene Abteilungsrichtlinien – CI, Brand, UX und mehr. Die Hoheit über diese Dokumente liegt oft außerhalb des Einflussbereichs der Designabteilung. Klären Sie frühzeitig, wie Informationen – etwa zu CI-Elementen – in der Produkt-Design-Guideline aktualisiert werden. Das vereinfacht die interne Zusammenarbeit erheblich. Erstellen Sie eine Liste der Verantwortlichen für die bestehenden Guidelines und vereinbaren Sie gemeinsam einen Prozess für Updates.

4. Wird die Guideline ein Pflichtbestandteil Ihres Stage-Gate-Prozesses?

Falls die Antwort nein lautet, raten wir davon ab, zu viel Energie in die Erstellung zu investieren. Nutzen Sie die Zeit lieber, um aus dem nein ein ja zu machen. Wir haben zu viele Design-Guidelines im Tagesgeschäft sterben sehen – weil sie nicht im Stage-Gate-Prozess verankert waren. Erst wenn die Guideline ein fester Bestandteil des Entwicklungsprozesses ist, kann sie von anderen Abteilungen nicht mehr ignoriert werden. Alles andere bleibt gute Absicht statt verbindliche Richtlinie.

Wie Apple die Führung bei Wearables übernommen und ausgebaut hat

Apple AssistiveTouch

AssistiveTouch von Apple in Aktion (Quelle: Apple / YouTube)

Vor einer Woche hat Apple still und leise mehrere bemerkenswerte Technologien vorgestellt, die seine Führungsposition bei Wearables weiter festigen. Keine großen Ankündigungen. Neben der Steuerung des iPad per Augenbewegung halten wir die Gestensteuerung der Apple Watch für die beeindruckendste Neuerung. Mit AssistiveTouch lassen sich alle wichtigen Aktionen per Hand- und Fingergesten ausführen – ohne das Display zu berühren.

Apple wird 2021 voraussichtlich 100 Millionen Wearable-Produkte verkaufen. Das Unternehmen hat früher als andere erkannt, dass Wearables der erste Schritt in der Symbiose von Mensch und Technologie sind. Anders als in anderen Bereichen liegt die Einstiegs-Apple-Watch preislich kaum über vergleichbaren Konkurrenzprodukten.

LiquiGlide Design-Guideline

LiquiGlide in Aktion (Quelle: LiquiGlide)

Material-Tipp

Sie kennen das Gefühl – den letzten Rest Zahnpasta aus der Tube drücken. Damit ist jetzt Schluss. Ein Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat gemeinsam mit einem Studenten LiquiGlide entwickelt – eine Beschichtung, die extrem wasserabweisende Oberflächen erzeugt. Anders als herkömmliche Behandlungen entsteht dabei keine strukturierte Oberfläche wie beim Lotuseffekt. LiquiGlide funktioniert deshalb besonders gut mit zähflüssigen Materialien – und ist zudem umweltfreundlich.