Es ist mehr als eine Floskel. Unternehmen drucken gern das Wort nachhaltig auf ihr Produkt – weil es gut klingt bei allen, die über Konsum und CO2-Fußabdruck nachdenken. Doch in einer Welt knapper Ressourcen ist echtes nachhaltiges Design keine Option, sondern Pflicht. Es reduziert, was wir der Erde entnehmen, und verringert den Abfall, den Konsumenten hinterlassen.
Anders gesagt: Ein nagelneues Gerät, das so viel kostet wie eine Monatsmiete, darf nicht nach ein paar Jahren auf dem Müll landen. Schon gar nicht, wenn es seltene Metalle enthält, deren Abbau giftig und aufwendig ist.
Was nachhaltiges Design eigentlich bedeutet
Im Kern ist nachhaltiges Design eine Denkweise: Produkte als Kreislauf begreifen – von der Wiege bis zur Bahre und wieder zurück. Das beginnt mit der Frage, wie ein Produkt Menschen heute anspricht und Teil ihres Alltags bleibt, selbst wenn sich ihre Bedürfnisse ändern. Es setzt sich fort mit den Materialien: Woher stammen sie, wie läuft die Produktion? Und – vermutlich am wichtigsten – was passiert am Ende der Lebensdauer?

Durchdacht gestaltet, ist ein nachhaltiges Produkt heute nützlich und morgen keine Belastung – auch wenn es irgendwann überholt ist. Leider setzen viele Unternehmen auf geplante Obsoleszenz: Ihr Geschäftsmodell sieht vor, dass bei einem Defekt das gesamte Produkt ersetzt werden muss. Denken Sie an die meisten Laptops von heute – sie lassen sich kaum reparieren. Fällt Tastatur oder Bildschirm aus, können Sie kein einzelnes Bauteil tauschen. Sie entsorgen das ganze Gerät und kaufen ein neues. Genau dadurch entsteht ein wachsender Berg an Elektroschrott, der sich nur schwer wiederverwerten lässt.
Ein prominentes Beispiel für die Folgen: Apple liegt mit der französischen Regierung im Clinch. Der Vorwurf – das Reparaturprogramm benachteilige Nutzer, die eigenständig reparieren wollen, und dränge sie zum Neukauf, obwohl Reparaturen mit Drittanbieter-Teilen problemlos möglich wären. Frankreich beruft sich auf das Harmon-Gesetz von 2014, das Verbraucher und Umwelt vor geplanter Obsoleszenz schützt.
Apple steht schon länger unter Verdacht: eingestellte Anschlüsse, neue Ladekabel, keine Updates für ältere Geräte, nachlassende Akkus. Doch Apple ist nur ein Akteur von vielen. Nachhaltiges Design funktioniert als Kreislauf – aber nie im Vakuum. Designer jonglieren Hunderte Faktoren: Kundenwünsche, Stakeholder-Anforderungen, verfügbare Materialien, internationale Gesetze.
Das Problem zieht weitere Kreise. Nehmen Sie den Markt für Smartphone-Hüllen: Von billigen Silikonschalen bis zu Hartcases mit Zusatzakku – jedes neue Telefon erzeugt eine Welle an Zubehör. Wird das Telefon obsolet, trifft das auch auf die Hüllen zu. Je mehr Funktionen eine Hülle bietet, desto schwerer lässt sie sich recyceln.
Zwei Unternehmen, die es richtig machen – Fairphone und Patagonia
Fairphone baut Smartphones, die Sie wirklich öffnen können. Akku, Bildschirm, Kameras, Lautsprecher – alles tauschbar. Sogar die USB-Anschlüsse. Zwölf kleine Schrauben halten das Gerät zusammen. Teil herausnehmen, Ersatz auf der Fairphone-Website bestellen, einsetzen – fertig. Das spart nicht nur Elektroschrott, sondern auch den Umweg über teure Reparaturdienste.
Patagonia – seit Langem Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit – sorgt dafür, dass Kunden wissen: Ihre Produkte haben ein zweites Leben. Bei Worn Wear-Events bringen Sie fast jedes Patagonia-Produkt zur Reparatur. Kaputter Reißverschluss, gerissenes Polyester, verlorene Knöpfe – geschultes Personal hilft Ihnen, das Teil wieder in Ordnung zu bringen. Patagonia kauft auch gebrauchte Artikel zurück und verkauft sie entweder recycelt oder aufgearbeitet im eigenen Online-Shop. Fast Fashion gehört zu den größten Klimatreibern – genau deshalb ist alles, was synthetische Materialien von der Deponie fernhält, ein Schritt in die richtige Richtung.

Nachhaltigkeit darf kein Trend sein, auf den man aufspringt. Viele als nachhaltig vermarktete Produkte stehen neben dem Mainstream wie eine exklusive Nische – als wäre Nachhaltigkeit Luxus. Diese Wahrnehmung muss sich ändern. Designer können Produkte nachhaltig gestalten, doch ob die Nachhaltigkeit Bestand hat, entscheidet die Nachfrage. Konsumenten werden akzeptieren müssen, dass ein nachhaltiges Produkt nicht immer den Reiz des Neuen hat. Dafür schont es auf Dauer Geldbeutel und Umwelt – mit einem Kreislauf, der kein Ende braucht.
