Dutch Design Week 2018 — Eindhoven, 20.–28. Oktober
Wenn nicht wir, wer dann?
Die Dutch Design Week 2018 war von Optimismus geprägt. Das Motto — Wenn nicht wir, wer dann? — spiegelte den Glauben wider, dass Designer echte Probleme lösen können. Das Event zog über 335.000 Besucher an und zeigte 2.500 Designer an über 100 Standorten in Eindhoven (Quelle: DDW). Da Eindhoven von unserem Düsseldorfer Hauptsitz quasi um die Ecke liegt, verbrachten wir einen intensiven Tag auf der DDW 2018.
Die meisten Exponate in diesem Report stammen von drei Hauptorten: der Abschlussausstellung der Design Academy Eindhoven, dem Klokgebouw mit seiner Kreislaufdesign-Ausstellung und der Manifesto-Ausstellung im VEEM in Strijp-S. Bei Entwurfreich fließen Events wie die DDW direkt in unsere Industriedesign-Arbeit ein. Dieser ZOOM-IN Trendreport zeigt die überzeugendsten Exponate.
Fünf zentrale Trends der DDW 2018
1. Wie wird Kreislaufdesign von der Theorie zur Praxis?
Kreislaufdesign war das zentrale Thema der DDW 2018. Nicht als abstrakte Idee, sondern als konkrete Arbeit. Designer zeigten Möbel aus Abbruchabfällen, Verpackungen aus landwirtschaftlichen Nebenprodukten und Textilien aus recyceltem Meeresplastik.
Das Klokgebouw beherbergte eine eigene Kreislaufdesign-Ausstellung. Dave Hakkens — Gründer von Precious Plastic, ansässig in Eindhoven — zeigte Open-Source-Maschinen, die Plastikabfall in neue Produkte verwandeln. Studio Drift präsentierte großformatige Installationen aus recycelten Industriematerialien. Die globale Kreislaufwirtschaft lag 2018 bei 260 Milliarden US-Dollar, mit jährlichem Wachstum von 8 % (Quelle: Accenture). Für Produktdesigner bedeutet Kreislaufdenken: ans Lebensende denken, bevor Tag eins beginnt. Wir haben das in unserem Artikel über nachhaltige Designprinzipien vertieft.
2. Wie experimentieren Designer mit neuen Materialien?
Materialinnovation war überall. Designer der Design-Academy-Abschlussshow präsentierten Materialien, die aus Myzel gewachsen, aus Bakterien fermentiert, aus Algen gedruckt und aus Lebensmittelabfall-Fasern gewebt waren.
Das ist keine Laborwissenschaft. Das sind funktionale Prototypen. Stühle zum Draufsitzen. Lampen, die leuchten. Schuhe zum Tragen. Die Botschaft: Die Materialien der Zukunft kommen vielleicht nicht aus Fabriken. Sie kommen aus der Natur. Der globale Markt für biobasierte Materialien lag 2018 bei 78 Milliarden US-Dollar (Quelle: Europäische Kommission). Für Designer, die mit Smart Textiles und 3D-gedruckten Wearables arbeiten, war die DDW eine Inspirationsquelle.


3. Wie geht Design soziale Herausforderungen an?
Die DDW 2018 zeigte Design als Werkzeug für sozialen Wandel. Exponate befassten sich mit Flüchtlingsintegration, Einsamkeit im Alter, Ernährungsungleichheit und psychischer Gesundheit. Die Abschlussausstellung der Design Academy zeigte Projekte, die mehr Sozialforschung als Produktdesign waren.
Das spiegelt einen breiteren Wandel wider. Designer machen nicht nur Dinge schön. Sie machen Dinge funktional für Menschen, die sie am meisten brauchen. Der globale Sozialunternehmen-Sektor überstieg 2018 2 Billionen US-Dollar (Quelle: British Council). Für Industriedesigner bedeutet soziales Engagement neue Aufträge. Wie gestaltet man für jemanden, der nichts hat? Wie baut man ein Produkt, das ohne Infrastruktur funktioniert?
4. Warum erlebt Handwerk ein Comeback?
Handgemachte Qualität war ein starkes Thema der DDW 2018. In einer Welt der Massenproduktion entdecken Designer den Wert des Handwerks neu. Mundgeblasenes Glas, handgewebte Textilien, handgeschnitztes Holz — gezeigt neben CNC-gefrästen Teilen und 3D-gedruckten Komponenten. Der globale Handwerksmarkt erreichte 2018 718 Milliarden US-Dollar (Quelle: Allied Market Research).
Formafantasma — das italienisch-niederländische Duo mit Sitz in Eindhoven — zeigte Arbeiten, die geologische Forschung mit handveredelten Materialien verbinden. Simone Post präsentierte Teppiche aus recycelten Nike-Sneakern. Die Kombination ist kraftvoll. Digitale Werkzeuge machen komplexe Formen bezahlbar. Die menschliche Hand fügt emotionalen Wert hinzu. Auf der DDW kombinierten die besten Exponate beides: Präzision wo es zählt, Unvollkommenheit wo sie charmant ist. Das verbindet sich mit unserem Verständnis von empathischem Produktdesign — Produkte, die sich menschlich anfühlen, nicht maschinell.
5. Wie wird Design zu Aktivismus?
Die Manifesto-Ausstellung im VEEM in Strijp-S zeigte Design als Provokation. Die DDW 2018 präsentierte über 40 aktivistische Designprojekte an drei Veranstaltungsorten (Quelle: DDW-Programm). Objekte, die Konsum hinterfragen. Installationen, die den Klimawandel konfrontieren. Möbel, die Geschlechternormen herausfordern. Designerin Marjan van Aubel zeigte solarbetriebene Möbel, die gleichzeitig als Energieinfrastruktur dienen.
Das ist kein kommerzielles Design. Es ist Design als Medium für Debatte.
Für Produktdesigner ist aktivistisches Design eine Erinnerung. Jedes Objekt trägt eine Botschaft — ob beabsichtigt oder nicht. Materialwahl, Fertigungsprozess, Preispunkt, Verpackung — alles kommuniziert Werte. Die DDW 2018 machte das sichtbar. Die stärksten Exponate waren nicht die hübschesten. Es waren die, die zum Nachdenken brachten.
Report-Vorschau
Unser ZOOM-IN Trendreport fängt die visuelle Essenz der Dutch Design Week 2018 ein. Er deckt die Abschlussausstellung der Design Academy, die Kreislaufdesign-Ausstellung im Klokgebouw und die Manifesto-Ausstellung im VEEM in Strijp-S ab. Der vollständige Report enthält über 50 Originalfotos und unsere kuratierte Auswahl der überzeugendsten Exponate.


Warum das für Produktdesign relevant ist
Die DDW ist keine Fachmesse. Sie ist ein Designfestival. Die Ideen hier sind roh, experimentell und oft Jahre dem Markt voraus. Aber sie zeigen, wohin Design geht. Kreislaufdenken, Bio-Materialien, soziale Wirkung und die Fusion von Handwerk und Technik prägen jede Produktkategorie. Bei Entwurfreich ist die DDW wesentlicher Input für unser langfristiges Denken.
Unsere ZOOM-IN Trendreports machen diese Beobachtungen zu klaren Einsichten für Designer, Produktmanager und Entscheidungsträger. Jeder Report kombiniert Vor-Ort-Fotos und Trendanalysen in kompaktem Format. Ob Produktstrategie oder neue Materialien — die Ideen der DDW können echten Wandel anstoßen.
Wie sich diese Trends seit 2018 entwickelt haben
Anmerkung der Redaktion (2026): Die fünf Trends der DDW 2018 sind zu Mainstream-Kräften geworden.
Kreislaufdesign: EU-Regulierungen verlangen jetzt digitale Produktpässe und Design für Demontage. Was 2018 experimentell war, ist jetzt Gesetz.
Materialexperimente: Myzel-Verpackungen sind kommerziell erhältlich. Biobasierte Materialien skalieren. 3D-gedruckte Möbel gehen in Produktion.
Soziales Engagement: Wirkungsorientierte Designstudios haben sich seit 2018 verdoppelt. Design für unterversorgte Gemeinschaften wird an jeder großen Designhochschule gelehrt.
Handwerk-Revival: Die Kombination aus CNC-Präzision und Handveredlung ist Standard im Premium-Produktdesign.
Design als Aktivismus: Klimabewusstes Design ist jetzt Kundenerwartung, nicht Randerscheinung.
Entwurfreich verfolgt diese Entwicklungen durch unsere ZOOM-IN Reports und Projektarbeit in Smart Textiles, 3D-gedruckte Wearables und nachhaltiges Design. Wir haben die DDW 2019 auch in einem eigenen Trendreport behandelt.
Ausgewaehlte Projekte
Häufig gestellte Fragen
Was ist die Dutch Design Week?
Die Dutch Design Week (DDW) ist Europas größtes Designevent. Sie findet jährlich in Eindhoven, Niederlande, über neun Tage im Oktober statt. Die Ausgabe 2018 zog über 335.000 Besucher an und zeigte 2.500 Designer an über 100 Standorten (Quelle: DDW). Anders als Fachmessen konzentriert sich die DDW auf experimentelles und konzeptuelles Design — Abschlussausstellungen, Forschungslabore, Installationen und Maker-Workshops. Sie deckt Produktdesign, Social Design, Food Design, Digital Design und Architektur ab.
Was waren die wichtigsten Trends der DDW 2018?
Fünf Trends stachen hervor. (1) Kreislaufdesign als konkrete Praxis — Abfallströme als Design-Input in einer 260-Milliarden-Dollar-Kreislaufwirtschaft. (2) Materialexperimente mit Myzel, Bakterien und Algen — der Bio-Materialien-Markt lag bei 78 Milliarden. (3) Design für soziale Wirkung — Projekte zu Ungleichheit, Migration und psychischer Gesundheit. (4) Handwerk-Revival: handgemachte Qualität trifft digitale Werkzeuge. (5) Design als Aktivismus — Objekte, die Debatten provozieren statt nur zu funktionieren.
Wer ist Entwurfreich?
Entwurfreich ist eine Industriedesign-Agentur in Düsseldorf. Seit 2012 hat das Team über 350 Projekte für 125+ Kunden realisiert, darunter ABB, Vodafone, Henkel, Coca-Cola, Fujifilm und Covestro. Die ZOOM-IN Trendreports erfassen Trends von Events wie DDW, Salone del Mobile, IFA, Eurobike, ISH, MEDICA und BAU. Jüngste Auszeichnungen: iF Design Award Gold 2024, Red Dot Best of the Best 2024, German Design Award Gold 2026. Mehr über unseren Designprozess erfahren.
Geschrieben von Matthias Menzel · 8. Dezember 2018

