Dutch Design Week 2019 — Eindhoven, 19.–27. Oktober
Wenn nicht jetzt, wann dann?
Die Dutch Design Week in Eindhoven ist Europas größtes Designevent. Sie ist keine Fachmesse im klassischen Sinn. Sie ist ein neuntägiges Festival aus Ausstellungen, Vorträgen, Workshops und offenen Studios quer durch die Stadt. Die Ausgabe 2019 zog über 355.000 Besucher an und zeigte 2.600 Designer an 110 Standorten (Quelle: DDW). Das Motto war klar: Wenn nicht jetzt, wann dann?
Die DDW unterscheidet sich von anderen Messen. Wo der Salone del Mobile zeigt, was marktreif ist, zeigt die DDW, was existieren könnte. Wo die IFA polierte Produkte zeigt, zeigt die DDW rohe Ideen. Bei Entwurfreich ist dieser Input entscheidend für unsere Industriedesign-Arbeit. Er hält uns der Kurve voraus. Dieser ZOOM-IN Trendreport zeigt die überzeugendsten Exponate der DDW 2019.
Fünf zentrale Trends der Dutch Design Week 2019
1. Wie wird Kreislaufdesign Realität?
Kreislaufwirtschaft war das dominierende Thema der DDW 2019. Nicht als Konzept — als materielle Realität. Designer zeigten Möbel aus Abbruchabfällen, Textilien aus Nebenprodukten der Lebensmittelindustrie und Verpackungen aus Myzel.
Die globale Kreislaufwirtschaft wurde 2019 auf 339 Milliarden US-Dollar geschätzt. Bis 2026 soll sie 712 Milliarden überschreiten (Quelle: Allied Market Research). Auf der DDW übersetzte sich das in konkrete Arbeit. Studio Drift zeigte Installationen aus recycelten Industriematerialien. Das What If Lab erforschte, wie Abfallströme zu Design-Inputs werden.
Für Produktdesigner verändert Kreislaufdenken jede Entscheidung. Materialwahl beginnt beim Lebensende. Verbindungen müssen Demontage erlauben. Oberflächen müssen aus einem Material bestehen. Diesen Wandel haben wir in unserem Artikel über nachhaltige Designprinzipien vertieft.
2. Wie gehen Designer soziale Herausforderungen an?
Die DDW 2019 zeigte Design als Werkzeug für sozialen Wandel. Exponate befassten sich mit bezahlbarem Wohnraum, Lebensmittelverschwendung, Einsamkeit im Alter und psychischer Gesundheit. Die Abschlussausstellung der Design Academy Eindhoven — immer ein DDW-Highlight — zeigte Projekte zu Flüchtlingsintegration, urbanem Anbau und inklusivem Spiel.
Das ist keine Wohltätigkeit. Es ist ein wachsender Markt. Der globale Sozialunternehmen-Sektor wurde 2019 auf über 2 Billionen US-Dollar geschätzt (Quelle: British Council). Designer, die soziale Systeme verstehen, können Produkte und Services schaffen, die skalieren.
Für Industriedesigner bedeutet soziale Wirkung neue Aufträge. Wie gestaltet man ein Produkt für jemanden, der es sich nicht leisten kann? Wie baut man ein Medizingerät für eine Klinik ohne Strom?


3. Was ist Bio-Fabrikation und warum ist sie wichtig?
Bio-Fabrikation war überall auf der DDW 2019. Designer züchteten Materialien aus Bakterien, Algen, Pilzen und Pflanzenwurzeln. Das sind keine Laborspielereien. Das sind funktionale Prototypen.
Natsai Audrey Chieza von Faber Futures zeigte Textilien, die von Bakterien gefärbt werden — kein Wasser, keine toxischen Chemikalien. Eric Klarenbeek präsentierte 3D-gedruckte Objekte aus Algenbiomasse. Das niederländische Unternehmen Ecovative demonstrierte Verpackungen aus Myzel, die in 30 Tagen verrotten.
Der globale Markt für biobasierte Materialien lag 2019 bei 84 Milliarden US-Dollar (Quelle: Europäische Kommission). Für Produktdesigner bietet Bio-Fabrikation eine radikale Alternative. Statt zu gewinnen und zu verarbeiten, züchtet man. Das Material ist der Prozess.
4. Wie formt spekulatives Design die Zukunft?
Die DDW ist bekannt für spekulatives Design — Projekte, die mögliche Zukünfte erkunden statt sofortige Probleme zu lösen. 2019 erforschten Exponate, wie das Leben nach dem Klimakollaps aussieht, wie KI menschliche Beziehungen verändert und wie Städte ohne Autos funktionieren.
Das ist keine Fantasie. Es ist eine Designmethode. Der globale Design-Thinking-Markt lag 2019 bei 6,1 Milliarden US-Dollar. Bis 2028 soll er auf 15,6 Milliarden wachsen (Quelle: Grand View Research). Durch den Bau greifbarer Prototypen zukünftiger Szenarien helfen Designer Organisationen, vorauszudenken. Unternehmen wie IKEA, Philips und die niederländische Regierung nutzen spekulative Design-Workshops zum Stresstest von Strategien.
Für Industriedesigner schärft spekulative Arbeit den Auftrag. Sie fragt: Was sollten wir bauen? Nicht nur: Wie bauen wir es? Bei Entwurfreich schätzen wir dieses Denken. Es fließt in unseren Ansatz für empathisches Produktdesign und langfristige Innovation ein.
5. Wie verändert Open-Source-Fertigung die Produktion?
Open-Source-Werkzeuge und geteiltes Wissen waren ein starkes Thema der DDW 2019. Fab Labs, Makerspaces und Open-Hardware-Projekte zeigten, dass Produktion keine Fabrik mehr braucht. Ein Designer mit 3D-Drucker, Lasercutter und Internetanschluss kann fast alles bauen.
Das Precious-Plastic-Projekt — gegründet in Eindhoven — demonstrierte Open-Source-Maschinen, die Plastikabfall in neue Produkte verwandeln. Jeder kann die Pläne herunterladen und nachbauen. Opendesk zeigte Möbel für lokale CNC-Produktion — kein Versand, kein Lager.
Für Produktdesigner verschiebt Open Source die Rolle. Man gestaltet nicht mehr nur ein Produkt. Man gestaltet ein System: Dateien, Anleitungen, Materiallisten. Das Design wird ein Rezept, dem jeder folgen kann. Das verbindet sich direkt mit unserem Denken über Smart-Textile-Prototyping und verteilte Fertigung.
Report-Vorschau
Unser ZOOM-IN Trendreport fängt die visuelle Essenz der Dutch Design Week 2019 ein. Er deckt Ausstellungen quer durch Eindhoven ab — von Strijp-S und dem Klokgebouw über die Design Academy bis zu Dutzenden Pop-up-Studios. Der vollständige Report enthält über 80 Originalfotos und unsere kuratierte Auswahl der überzeugendsten Exponate.


Warum das für Produktdesign relevant ist
Die DDW unterscheidet sich von anderen Messen. Sie zeigt keine fertigen Produkte. Sie zeigt, wohin Design geht. Kreislaufdenken, Bio-Materialien, soziale Wirkung und offene Produktion sind keine Randthemen. Sie sind die Kräfte, die jede Branche umgestalten. Bei Entwurfreich ist die DDW wesentlicher Input für unser langfristiges Denken.
Unsere ZOOM-IN Trendreports machen diese Beobachtungen zu klaren Einsichten für Designer, Produktmanager und Entscheidungsträger. Jeder Report kombiniert Vor-Ort-Fotos und Trendanalysen in kompaktem Format. Ob Produktstrategie oder neue Materialien — die Ideen der DDW können echten Wandel anstoßen.
Wie sich diese Trends seit 2019 entwickelt haben
Anmerkung der Redaktion (2026): Die fünf Trends der DDW 2019 sind vom Rand in den Mainstream gerückt.
Kreislaufdesign: EU-Regulierungen verlangen jetzt digitale Produktpässe und Design für Demontage. Was 2019 experimentell war, ist jetzt Gesetz.
Soziale Wirkung: Design für unterversorgte Gemeinschaften ist ein wachsendes Feld. Die Zahl wirkungsorientierter Designstudios hat sich seit 2019 verdoppelt.
Bio-Fabrikation: Myzel-Verpackungen sind kommerziell erhältlich. Bakterielle Färbung ist in der Pilotproduktion. Die Materialien skalieren.
Spekulatives Design: Jetzt ein Standardwerkzeug in der Unternehmensinnovation. Firmen von Automotive bis Healthcare nutzen Design-Fiction-Workshops.
Open-Source-Fertigung: Precious Plastic hat sich auf 40.000+ Mitglieder in über 100 Ländern ausgeweitet. Verteilte Fertigung ist Realität.
Entwurfreich verfolgt diese Entwicklungen durch unsere ZOOM-IN Reports und durch Projektarbeit in Bereichen wie Smart Textiles, 3D-gedruckte Wearables und nachhaltiges Design.
Ausgewaehlte Projekte
Häufig gestellte Fragen
Was ist die Dutch Design Week?
Die Dutch Design Week (DDW) ist Europas größtes Designevent. Sie findet jährlich in Eindhoven, Niederlande, über neun Tage im Oktober statt. Die Ausgabe 2019 zog über 355.000 Besucher an und zeigte 2.600 Designer an 110 Standorten in der Stadt (Quelle: DDW). Anders als klassische Fachmessen konzentriert sich die DDW auf experimentelles und konzeptuelles Design — von Abschlussausstellungen und Forschungslaboren über Installationen bis zu Maker-Workshops. Sie deckt Produktdesign, Social Design, Food Design, Digital Design und Architektur ab.
Was waren die wichtigsten Trends der DDW 2019?
Fünf Trends stachen hervor. (1) Kreislaufdesign als materielle Realität — Abfallströme werden Design-Inputs, Produkte für Demontage entworfen. Die Kreislaufwirtschaft lag 2019 bei 339 Milliarden US-Dollar. (2) Design für soziale Wirkung — Projekte zu Wohnraum, Ernährung, psychischer Gesundheit und Flüchtlingsintegration. (3) Bio-Fabrikation — Materialien aus Bakterien, Algen und Myzel als Alternative zu erdölbasierter Produktion. (4) Spekulatives Design — Prototypen, die mögliche Zukünfte erkunden statt sofortige Probleme zu lösen. (5) Open-Source-Fertigung — geteilte Werkzeuge und Pläne, die Produktion demokratisieren, angeführt von Projekten wie Precious Plastic.
Wer ist Entwurfreich?
Entwurfreich ist eine Industriedesign-Agentur in Düsseldorf. Seit 2012 hat das Team über 350 Projekte für 125+ Kunden realisiert, darunter ABB, Vodafone, Henkel, Coca-Cola, Fujifilm und Covestro. Die Arbeit umfasst Produktdesign, UX/UI, CMF-Design und Strategie — von Konsumelektronik bis Medizintechnik. Die ZOOM-IN Trendreports erfassen Trends von Events wie DDW, Salone del Mobile, IFA, Eurobike, ISH, Techtextil und MWC. Jüngste Auszeichnungen: iF Design Award Gold 2024, Red Dot Best of the Best 2024, German Design Award Gold 2026. Mehr über unseren Designprozess erfahren.
Geschrieben von Matthias Menzel · 20. Dezember 2019

