Eurobike 2019 — Friedrichshafen, 4.–7. September
Der E-Bike-Boom geht erst richtig los
Der E-Bike-Boom geht erst richtig los. Nachdem wir die Eurobike 2018 besucht hatten, war der Wandel 2019 noch deutlicher sichtbar. Elektroantriebe dominierten jede Halle. Die Messe zog über 40.000 Fachbesucher und 1.500 Aussteller aus 62 Ländern an (Quelle: Messe Friedrichshafen). Erstmals war der letzte Tag für Endverbraucher geöffnet — ein klares Zeichen: E-Bikes sind kein Nischenprodukt mehr.
E-Bikes, Lastenräder und E-Scooter waren die Highlights. Sie wurden als ernstzunehmendes urbanes Transportmittel für ein breites Publikum positioniert. Bei Entwurfreich besuchen wir Messen quer durch alle Branchen — von der Techtextil in Frankfurt bis zum MWC in Barcelona. Wir verfolgen die Designtrends, die unsere Industriedesign-Arbeit prägen. Dieser ZOOM-IN Trendreport fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.
Fünf zentrale Trends der Eurobike 2019
1. Warum werden E-Bikes Mainstream?
E-Bikes waren überall auf der Eurobike 2019. Nicht nur Citybikes — Elektroantriebe tauchten in Mountainbikes, Rennrädern, Gravelbikes und sogar Falträdern auf. Der globale E-Bike-Markt lag 2019 bei 23,9 Milliarden US-Dollar. Bis 2028 soll er auf 48,6 Milliarden wachsen (Quelle: Fortune Business Insights).
In Europa stiegen die E-Bike-Verkäufe 2019 um 23 % gegenüber dem Vorjahr. Deutschland allein verkaufte 1,36 Millionen Einheiten (Quelle: ZIV). Die Technologie ist reif. Motoren sind leichter und leiser. Akkus halten länger. Die Preise sind in die Mittelklasse gesunken.
Für Produktdesigner bedeutet das neue Aufträge. Wie gestaltet man ein Motorgehäuse, das unsichtbar im Rahmen sitzt? Wie entwirft man einen Akku, der leicht zu entnehmen, aber schwer zu stehlen ist? Das sind Industriedesign-Herausforderungen, nicht nur technische.
2. Wie verändern Lastenräder die urbane Logistik?
Lastenräder hatten auf der Eurobike 2019 eine eigene Halle. Das sagt alles. Sie haben sich vom alternativen Lebensstil zum ernsthaften Stadtverkehr entwickelt. Städte wie Amsterdam, Kopenhagen und Berlin bauen eigene Lastenrad-Spuren.
Riese & Müller, Urban Arrow und Tern zeigten neue elektrische Cargo-Modelle. Einige tragen bis zu 200 kg. Lieferdienste wie DHL und UPS testen Lastenrad-Flotten für die letzte Meile. Die Rechnung geht auf: niedrigere Kosten pro Lieferung, null Emissionen, schneller im Stau.
Für Familien ersetzen Lastenräder das Zweitauto. Für Unternehmen den Lieferwagen. Die Designfrage ist klar: Wie baut man ein Fahrzeug, das schwere Lasten trägt, aber trotzdem wendig und sicher bleibt?


3. Wie verändert integriertes Design das Fahrrad?
Die größte visuelle Veränderung auf der Eurobike 2019: Fahrräder werden aufgeräumter. Akkus verschwinden im Unterrohr. Motoren verstecken sich im Tretlager. Kabel laufen intern. Lichter sind in den Rahmen eingebaut.
Das ist nicht nur Ästhetik. Es geht um Schutz und Haltbarkeit. Integrierte Bauteile sind vor Wetter, Schmutz und Stößen geschützt. Sie reduzieren auch den Diebstahlreiz — einen Akku, den man nicht sieht, stiehlt man nicht.
Brose — einer unserer Interviewpartner — zeigte Antriebssysteme, die von außen unsichtbar sind. Fazua präsentierte eine herausnehmbare Motor-Akku-Einheit, die ein E-Bike in Sekunden zum normalen Rad macht. 2019 hatten bereits über 60 % der neuen E-Bike-Modelle voll integrierte Akkus (Quelle: ZIV-Branchenbericht). Für Industriedesigner ist Integration die neue Grenze. Das beste E-Bike der Zukunft wird nicht wie ein E-Bike aussehen.
4. Wie sieht vernetztes Radfahren aus?
Fahrräder werden zu smarten Geräten. Auf der Eurobike 2019 waren GPS-Tracking, integrierte Sensoren und Begleit-Apps bei Premiummarken Standard. Bosch zeigte sein Nyon-Display — ein Lenkercomputer mit Navigation, Fitness-Tracking und E-Bike-Diagnose in einem Gerät.
Stromer — ein weiterer Interviewpartner — baut Konnektivität in jedes Rad ein. Ihre OMNI-Plattform verbindet Rad, Fahrer und Smartphone. Sie trackt den Standort, überwacht den Akkuzustand und ermöglicht Fernverriegelung. Wird das Rad gestohlen, kann der Besitzer es in Echtzeit orten.
Der globale Markt für smarte Fahrräder lag 2019 bei 900 Millionen US-Dollar. Bis 2026 soll er auf 2,3 Milliarden wachsen (Quelle: Allied Market Research). Für Produktdesigner stellt vernetztes Radfahren die gleichen Fragen wie IoT in jeder Kategorie. Wie viel Daten sind nützlich? Wo lebt die Oberfläche — am Rad, am Telefon oder beides? Ähnliche Fragen haben wir auf der ISH-Messe und in unserem VIA-Fahrradnavigations-Projekt erkundet.
5. Wie verändert Mikromobilität die Städte?
E-Scooter waren das Überraschungsthema der Eurobike 2019. Deutschland hatte sie im Juni 2019 gerade erst legalisiert. Plötzlich hatte jede Mobilitätsmarke ein Scooter-Modell. Segway-Ninebot, Xiaomi und dutzende Startups wetteiferten um Standfläche.
Aber Mikromobilität geht über Scooter hinaus. Der globale E-Scooter-Markt lag 2019 bei 18,6 Milliarden US-Dollar. Bis 2030 soll er auf 41,9 Milliarden wachsen (Quelle: Grand View Research). Leichte Elektrofahrzeuge — von E-Skateboards bis zu kompakten E-Mopeds — füllen die Lücke zwischen Gehen und Autofahren. Das Konzept: Kurzstrecken unter 5 km sollten kein Auto brauchen.
Für Städte bringt das neue Herausforderungen: Infrastruktur, Parken, Sicherheitsregeln. Für Produktdesigner heißt es: Fahrzeuge gestalten, die leicht, faltbar, teilbar und robust genug für den täglichen Stadteinsatz sind. Die SMARTPOLE E-Bike-Ladestation, die wir designed haben, adressiert genau diese Infrastrukturlücke.
Interviews: Einblicke von Branchenführern
Jakob Luksch — Stromer
Stromer baut Premium-Speed-Pedelecs in der Schweiz. Luksch sprach darüber, wie Konnektivität zur Kernfunktion wird — nicht zum Zusatz. Jedes Stromer-Rad wird mit GPS, Mobilfunkdaten und Over-the-Air-Updates ausgeliefert. Seine Sicht: Das Fahrrad der Zukunft ist eine vernetzte Plattform, nicht nur ein Fahrzeug.
Horst Schuster — Brose
Brose ist ein großer Automobilzulieferer, der mit Antriebssystemen in den E-Bike-Markt eingestiegen ist. Schuster sprach über den Transfer von Automobiltechnik aufs Fahrrad. Brose-Motoren sind leise, stark und auf Integration ausgelegt. Sein Punkt: Der beste Motor ist der, den man nicht bemerkt.
Peter Wöstmann & Rolf Kathrein-Lehmann — Ortlieb
Ortlieb ist Deutschlands führender Hersteller wasserdichter Fahrradtaschen. Wöstmann und Kathrein-Lehmann sprachen darüber, wie der Lastenrad-Trend ihre Produktlinie verändert. Taschen müssen jetzt schwerere Lasten tragen, verschiedene Befestigungssysteme passen und dem täglichen gewerblichen Einsatz standhalten — nicht nur Wochenendtouren.
Ihre Perspektive zeigt einen Dominoeffekt. Wenn sich das Fahrzeug ändert, ändern sich die Zubehörteile. Und für Industriedesigner liegt im Zubehör-Ökosystem oft die eigentliche Designherausforderung.
Report-Vorschau
Unser ZOOM-IN Trendreport fängt die visuelle Essenz der Eurobike 2019 ein. Er deckt alle Hallen der Messe Friedrichshafen und den Outdoor-Demobereich ab. Der vollständige Report enthält Trendanalysen mit über 70 Originalfotos, unser Hot-or-Not-Feature und die kompletten Interviews mit Stromer, Brose und Ortlieb.


Warum das für Produktdesign relevant ist
Die Trends der Eurobike 2019 gehen über Radfahren hinaus. Sie spiegeln einen breiteren Wandel in der urbanen Mobilität wider. Elektroantriebe, vernetzte Plattformen und geteilte Fahrzeuge verändern, wie Menschen sich bewegen. Diese Muster gelten für jedes Produkt an der Schnittstelle von Transport, Technologie und Alltag. Bei Entwurfreich sind Messen wie die Eurobike wesentlicher Input für unsere Arbeit.
Unsere ZOOM-IN Trendreports machen diese Erkenntnisse zu klaren Einsichten für Designer, Produktmanager und Entscheidungsträger. Jeder Report kombiniert Vor-Ort-Fotos, Experteninterviews und Trendanalysen in kompaktem Format. Ob E-Bike-Komponente, Ladestation oder Mobilitäts-App — die Makrotrends der Eurobike können einen echten Vorsprung verschaffen.
Wie sich diese Trends seit 2019 entwickelt haben
Anmerkung der Redaktion (2026): Die fünf Trends der Eurobike 2019 haben sich über Erwartungen hinaus beschleunigt.
E-Bikes: Jetzt das am schnellsten wachsende Segment im europäischen Radmarkt. Deutschland verkaufte 2023 über 2 Millionen Einheiten. Die Technologielücke zwischen E-Bikes und normalen Rädern schließt sich rasant.
Lastenräder: Städte in ganz Europa fördern Lastenrad-Käufe. Gewerbliche Flotten wachsen. Die Fahrzeugkategorie hat sich von der Neuheit zur Notwendigkeit entwickelt.
Integriertes Design: Voll integrierte Rahmen sind der neue Standard. Sichtbare Motoren und externe Akkus wirken veraltet. Die cleane Fahrradästhetik hat gewonnen.
Vernetztes Radfahren: Diebstahlortung, Fahrtanalysen und Ferndiagnose sind verbreitet. Einige Versicherer bieten niedrigere Prämien für GPS-getrackte Räder.
Mikromobilität: E-Scooter-Sharing hat sich nach dem anfänglichen Chaos stabilisiert. Regulierung hat aufgeholt. Die Kategorie ist jetzt Teil des urbanen Transportmix.
Entwurfreich verfolgt diese Entwicklungen durch unsere ZOOM-IN Reports und durch Projektarbeit wie unsere SMARTPOLE-Ladestation, VIA-Fahrradnavigation und nachhaltige Design-Initiativen.
Ausgewaehlte Projekte
Häufig gestellte Fragen
Was ist die Eurobike?
Die Eurobike ist die weltweit führende Fachmesse der Fahrradbranche. 2019 fand sie auf der Messe Friedrichshafen am Bodensee statt. Die Messe zog über 40.000 Fachbesucher und 1.500 Aussteller aus 62 Ländern an (Quelle: Messe Friedrichshafen). Sie deckt alles ab: Rennräder, Mountainbikes, E-Bikes, Lastenräder, Komponenten und Radbekleidung. Seit 2022 findet die Eurobike auf der Messe Frankfurt statt — ein Zeichen für das Branchenwachstum. Die Ausgabe 2019 war die erste, die für Endverbraucher geöffnet wurde.
Was waren die wichtigsten Trends der Eurobike 2019?
Fünf Trends stachen hervor. (1) Die E-Bike-Explosion: Elektroantriebe wurden Mainstream in allen Kategorien — allein Deutschland verkaufte 2019 1,36 Millionen E-Bikes. (2) Lastenräder als ernsthafter Stadtverkehr für Familien und Unternehmen. (3) Integriertes Design: Akkus, Motoren und Kabel verschwinden im Rahmen. (4) Vernetztes Radfahren mit GPS-Tracking, Fahr-Apps und Ferndiagnose. (5) Mikromobilität: E-Scooter und leichte Elektrofahrzeuge betreten den urbanen Mix, nachdem Deutschland sie im Juni 2019 legalisierte.
Wer ist Entwurfreich?
Entwurfreich ist eine Industriedesign-Agentur in Düsseldorf. Seit 2012 hat das Team über 350 Projekte für 125+ Kunden realisiert, darunter ABB, Vodafone, Henkel, Coca-Cola, Fujifilm und Covestro. Die Arbeit umfasst Produktdesign, UX/UI, CMF-Design und Strategie — von Konsumelektronik bis Medizintechnik. Die ZOOM-IN Trendreports erfassen Trends von Messen wie Eurobike, ISH, Techtextil, MWC und Salone del Mobile. Jüngste Auszeichnungen: iF Design Award Gold 2024, Red Dot Best of the Best 2024, German Design Award Gold 2026. Mehr über unseren Designprozess erfahren.
Geschrieben von Matthias Menzel · 29. September 2019


