ISH 2019 — Frankfurt, 11.–15. März
Wo Wasser, Energie und Design zusammentreffen
Badezimmer haben sich grundlegend gewandelt. Früher rein funktionale Räume, sind sie heute Orte der Gesundheit, Entspannung und des Wohlbefindens. Natur, Spa-Kultur und Möbeldesign liefern die Inspiration. Das Bad lädt zum Verweilen und Aufladen ein. Auch der Mainstream-Markt hat diesen Wandel erkannt. Er bietet Lösungen, die das Bad zum Raum für Individualismus und Selbstentfaltung machen.
Die ISH in Frankfurt ist die weltweit führende Fachmesse für Wasser und Energie in Gebäuden. 2019 kamen über 190.000 Besucher aus 153 Ländern. 2.532 Aussteller waren vertreten (Quelle: Messe Frankfurt). Die Messe setzte Maßstäbe für nachhaltige Heiz- und Klimatechnik, intelligente Gebäudesysteme und moderne Raumkonzepte. Bei Entwurfreich besuchen wir Fachmessen quer durch alle Branchen. Von der BAU in München bis zum Salone del Mobile in Mailand — so identifizieren wir die Designtrends, die unsere Industriedesign-Arbeit prägen. Dieser ZOOM-IN Trendreport fasst die wichtigsten Entwicklungen der ISH 2019 zusammen.
Fünf zentrale Trends der ISH 2019
1. Wie wird das Badezimmer zum Wohnraum?
Die Grenze zwischen Bad und Wohnzimmer löst sich weiter auf. Auf der ISH 2019 zeigten Aussteller Raumkonzepte im Wohnstil. Offene Regale, warme Holztöne, textile Akzente und Waschtische in Möbelqualität prägten das Bild. Duravit und hansgrohe stellten Kollektionen vor, in denen die Badewanne zum Mittelpunkt wird. Aufbewahrungssysteme erinnern an Wohnzimmer-Sideboards statt an klinische Schränke. Freistehende Badewannen wurden wie Skulpturen inszeniert. Häufig standen sie zentral in offenen Grundrissen. Das verwischt die Grenze zwischen Baden und Wohnen. Dieser Trend zeigte sich auch auf dem Salone del Mobile in Mailand. Dort präsentierten Möbelhersteller Crossover-Stücke speziell für Nassbereiche. Die Botschaft ist klar: Das Bad ist kein Durchgangsraum mehr. Man verbringt dort Zeit. Die Designsprache muss diesen gehobenen Status widerspiegeln.
2. Wie treibt die HLK-Branche Nachhaltigkeit voran?
Nachhaltigkeit war das beherrschende Thema in allen ISH-Hallen. Diesen Trend vertiefen wir auch in unserem Artikel über nachhaltige Designprinzipien. Im HLK-Bereich stand die Wärmepumpentechnologie im Mittelpunkt. Hersteller bereiteten sich auf den Abschied von fossilen Heizsystemen vor. Vaillant, eines der führenden europäischen Heiztechnik-Unternehmen, präsentierte seine Vision einer CO2-neutralen Zukunft. Dieses Thema vertiefen wir in unserem Interview mit Dr. Jens Wichtermann und Tim Richter. Wasserstoff-fähige Kessel und Hybridsysteme kombinierten Gas-Brennwerttechnik mit Wärmepumpen. Das Signal: Die Branche plant einen schrittweisen Übergang statt eines abrupten Bruchs. Auf der Wasserseite zeigten wassersparende Armaturen, Grauwasser-Recyclingsysteme und sensorgesteuerte Wasserhähne: Ressourceneffizienz und Designqualität schließen sich nicht mehr aus. Mehrere Aussteller präsentierten durchflussoptimierte Duschköpfe. Diese liefern mit 6 Litern pro Minute ein Ganzkörper-Erlebnis — die Hälfte der Standard-Durchflussrate von 12 l/min nach DIN EN 1112. Der gefühlte Wasserdruck bleibt dabei erhalten.


3. Wie verändert das IoT das moderne Badezimmer?
Die digitale Integration hat das Badezimmer erreicht. Auf der ISH 2019 zeigten smarte Spiegel, sprachgesteuerte Duschen und App-kontrollierte Fußbodenheizungen den Wandel. Das Internet der Dinge verändert persönliche Räume spürbar. Der Trend geht über Spielerei hinaus. Vernetzte Systeme ermöglichen personalisierte Nutzerprofile: bevorzugte Wassertemperatur, Lichtstimmung, sogar Musik. Diese aktivieren sich automatisch beim Betreten des Raums. Grohes SmartControl-System zeigt, wie das konkret aussieht. Per Push-and-Turn-Bedienung wechseln Nutzer zwischen Wasserauslässen und stellen präzise Temperaturen ein. Digitale Fähigkeiten werden so in intuitive physische Interaktion verpackt. Für Produktdesigner wirft das wichtige Fragen auf: Interface-Design, Datenschutz und die Balance zwischen Automatisierung und Nutzerkontrolle.
4. Warum verändert Mass Customization die Sanitärindustrie?
Mass Customization hat die Sanitärindustrie erreicht. Hersteller präsentierten modulare Systeme für individuelle Konfiguration. Endnutzer wählen farbige Armaturenoberflächen in Matt-Schwarz, Gebürstetem Gold oder Kupfer. Dazu kommen Mix-and-Match-Fliesenformate und konfigurierbare Duschkabinen. Hansgrohes Axor-Marke bot über 40 Oberflächenfinishes für eine einzelne Armaturenlinie. Villeroy & Boch zeigte konfigurierbare Möbelprogramme. Kunden wählen dort Maße, Materialien und Griffstile unabhängig voneinander. Dieser Wandel spiegelt eine breitere Erwartung wider: Produkte sollen sich an das Individuum anpassen, nicht umgekehrt. Dasselbe Prinzip treibt empathisches Produktdesign an — den Nutzer als Individuum verstehen, nicht als Zielgruppe. Für Industriedesigner liegt die Herausforderung darin: Modulare Systeme müssen über Tausende Konfigurationen ästhetisch kohärent bleiben.
5. Was ist biophiles Baddesign und warum ist es wichtig?
Biophiles Design integriert natürliche Elemente in gebaute Umgebungen. Es war auf der gesamten ISH 2019 sichtbar. Steinoptik-Oberflächen, organische Formen, pflanzenbewachsene Duschwände und Regenduschköpfe simulierten natürliche Wassermuster. Dahinter steht ein grundlegendes menschliches Bedürfnis: die Verbindung mit der Natur. Forschung stützt diesen Trend. Natürliche Materialien und Formen reduzieren Stress, verbessern die Stimmung und fördern die Erholung. Im Baddesign entstehen so Räume, die weniger nach klinischem Nassraum aussehen. Stattdessen wirken sie wie private Wellness-Refugien. Terrazzo- und Betonoptik-Oberflächen dominierten die Materialpaletten. Mehrere Marken stellten Duschpaneele mit integrierten Pflanzgefäßen vor. Lebendiges Grün gedeiht so in feuchten Umgebungen. Auch die Lichtgestaltung spielt eine Rolle. Human-Centric-Lighting-Systeme passen ihre Farbtemperatur im Tagesverlauf an — kühl und aktivierend am Morgen, warm und beruhigend am Abend. Dieses Thema zeigte sich bei mehreren Ausstellern.
Interviews: Einblicke von Branchenführern
Dr. Jens Wichtermann & Tim Richter — Vaillant Group
Vaillant hat seinen Hauptsitz in Remscheid. Das Unternehmen zählt zu den führenden europäischen Anbietern für Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik. Im Interview sprachen Dr. Wichtermann (Direktor Unternehmenskommunikation) und Tim Richter (Leiter Design) über die Energiewende. Wie gestaltet die Heizungsindustrie den Übergang vom Gaskessel zur Wärmepumpe? Welche Rolle spielt Industriedesign dabei? Nachhaltige Technologie muss für Endverbraucher begehrenswert sein. Eine zentrale Erkenntnis: Die erfolgreichsten Produkte sind nicht die effizientesten. Es sind jene, die ihren Wert durch intuitives Design vermitteln. Haptische Qualität schafft Vertrauen.
Cem Gül — COSA
COSA steht an der Schnittstelle von Baddesign und Architektur. Cem Gül teilte seine Perspektive über den Wandel des Badraums. Früher funktionale Notwendigkeit, wird er heute zum Design-Statement. Die Sanitärindustrie muss von Möbeldesign, Mode und Hospitality lernen. Nur so bleibt sie relevant. Seine These: Badezimmer werden zunehmend als kuratierte Erlebnisse gestaltet. Sie werden nicht mehr aus Katalogen zusammengestellt. Die Marken, die diesen Wandel verstehen, prägen das nächste Jahrzehnt der Branche.
Design-Highlights von der Messe
Unser ZOOM-IN Trendreport fängt die visuelle Essenz der ISH 2019 ein. Er dokumentiert die Ausstellung über alle relevanten Hallen hinweg. Die Hallen 3 und 4 zeigten Sanitär- und Baddesign. In den Hallen 8 bis 12 ging es um HLK- und Energietechnik. Nachfolgend eine Vorschau des vollständigen Reports. Er enthält detaillierte Trendanalysen mit über 80 Originalfotos. Dazu kommen kommentierte Produkt-Highlights von mehr als 30 Ausstellern. Außerdem enthalten: die kompletten Interviews mit Dr. Jens Wichtermann und Tim Richter (Vaillant) sowie Cem Gül (COSA).


Warum das für Produktdesign relevant ist
Die Trends der ISH 2019 reichen weit über die Badbranche hinaus. Sie zeigen, wie sich das Verhältnis zwischen Menschen, Produkten und Räumen verändert. Personalisierung, Nachhaltigkeit und sensorische Qualität sind in jeder Branche gefragt — von Unterhaltungselektronik bis zu Medizinprodukten. Bei Entwurfreich nutzen wir Fachmessen wie die ISH als Input für unsere Designarbeit. Wir verstehen, wohin sich eine Branche bewegt. So gestalten wir Produkte, die heute relevant sind und morgen begehrenswert bleiben.
Unsere ZOOM-IN Trendreports machen diese Beobachtungen umsetzbar. Sie richten sich an Designer, Produktmanager und Entscheidungsträger. Jeder Report kombiniert Vor-Ort-Fotografie, Experteninterviews und Trendanalysen in kompaktem Format. So schneiden wir durch den Lärm einer Fachmesse mit Tausenden Ausstellern. Ob neue Produktlinie oder Neupositionierung einer bestehenden Marke: Makrotrends in angrenzenden Branchen zu verstehen, verschafft einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Wie sich diese Trends seit 2019 entwickelt haben
Anmerkung der Redaktion (2025): Die fünf Trends der ISH 2019 haben sich als bemerkenswert beständig erwiesen. Wärmepumpensysteme waren damals eine zukunftsweisende Vision am Vaillant-Stand. Heute dominieren sie das Narrativ der europäischen Wärmepolitik. Smart-Home-Integration in Nassräumen ist kein Novum mehr. Die meisten Premium-Sanitärmarken bieten heute vernetzte Produktlinien als Standard an. Biophiles Design hat die Nische verlassen und ist in der Mainstream-Innenarchitektur angekommen. Die Nachfrage nach Personalisierung beschleunigt sich weiter — quer durch alle Produktkategorien. Was als Messetrends in Frankfurt begann, hat die gesamte Branche in wenigen Jahren umgestaltet. Entwurfreich verfolgt diese Entwicklungen weiterhin. Wir nutzen unsere ZOOM-IN Reports und praktische Projektarbeit in Bereichen wie Medizinproduktdesign, Konsumgüter und Gebäudetechnik.
Ausgewaehlte Projekte
Häufig gestellte Fragen
Was ist die ISH-Messe?
Die ISH (Internationale Sanitär- und Heizungsmesse) ist die weltweit führende Fachmesse für Wasser-, Energie- und Klimatechnik in Gebäuden. Die Messe Frankfurt organisiert sie seit 1960 alle zwei Jahre. Der Veranstaltungsort ist das Frankfurter Messegelände — einer der größten Ausstellungsorte der Welt. Die ISH deckt das gesamte Spektrum der Gebäudetechnik ab: Sanitäranlagen, Baddesign, Heizung, Kühlung, Lüftung und erneuerbare Energiesysteme. 2019 kamen über 190.000 Fachbesucher aus 153 Ländern. 2.532 Aussteller präsentierten sich auf mehr als 260.000 Quadratmetern (Quelle: Messe Frankfurt). Die ISH gilt als wichtigster Branchentreffpunkt für Hersteller, Architekten, Planer, Installateure und Designer.
Was waren die wichtigsten Trends auf der ISH 2019?
Fünf zentrale Trends prägten die ISH 2019. (1) Das Bad wird zum Wohnraum. Waschtische in Möbelqualität und freistehende Badewannen als skulpturale Mittelpunkte. (2) Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Wärmepumpen verbreiteten sich rasant. Wassersparende Armaturen liefern mit nur 6 Litern pro Minute ein volles Erlebnis. (3) Smart-Home-Vernetzung und IoT-Integration. Dazu zählen sprachgesteuerte Duschen, App-verwaltete Heizungen und personalisierte Nutzerprofile. (4) Mass Customization bei Sanitärprodukten. Farben, Materialien und Layouts lassen sich individuell konfigurieren. (5) Biophiles Design — natürliche Materialien, organische Formen und lebendiges Grün in Nassbereichen fördern Wohlbefinden und reduzieren Stress. Viele dieser Trends sind inzwischen Industriestandard. Das gilt besonders für Wärmepumpen und smarte Vernetzung.
Wer ist Entwurfreich?
Entwurfreich ist eine 2012 gegründete Industriedesign-Agentur in Düsseldorf. In über 14 Jahren hat das interdisziplinäre Team mehr als 350 Projekte für über 125 Kunden realisiert. Dazu zählen ABB, Vodafone, Henkel, Coca-Cola, Fujifilm und Covestro. Das Leistungsspektrum umfasst Produktdesign, UX/UI-Design, CMF-Design und Designstrategie. Die Branchen reichen von Unterhaltungselektronik bis Medizintechnik. Die ZOOM-IN Trendreports erfassen Designtrends von führenden Fachmessen: ISH, BAU, Salone del Mobile und Dutch Design Week. Sie liefern umsetzbare Erkenntnisse für Designer, Produktmanager und Entscheidungsträger. Jüngste Auszeichnungen: iF Design Award Gold 2024, Red Dot Best of the Best 2024 und German Design Award Gold 2026. Mehr über unseren Designprozess erfahren.
Geschrieben von Matthias Menzel · 26. April 2019


