Unterhaltungselektronik-Ausstellung auf der IFA 2019 Berlin mit Display-Technologie und Smart-Home-Geräten

IFA 2019 Trends: Smart Home, KI & die Zukunft der Unterhaltungselektronik

17. Oktober 2019

IFA 2019 — Berlin, 6.–11. September

Consumer Electronics Unlimited

TL;DR — Fünf Trends der IFA 2019, die die Unterhaltungselektronik geprägt haben:

  • Smart-Home-Ökosysteme — vernetzte Geräte werden von Gadgets zu integrierten Wohnsystemen
  • KI-Assistenten überall — Sprachsteuerung wird zur Standard-Oberfläche für Heimelektronik
  • 8K-Displays und Micro-LED — der nächste Auflösungssprung kommt vor den Inhalten
  • Smart Cooking — vernetzte Küchengeräte werden zur am schnellsten wachsenden IFA-Kategorie
  • Wearable-Gesundheitstechnik — Smartwatches wechseln von Sport zu medizinischer Überwachung

Unter dem Motto Consumer Electronics Unlimited wurde die IFA Berlin 2019 ihrem Anspruch mehr als gerecht. Die Messe zog 245.000 Besucher aus 150 Ländern an und zählte 1.939 Aussteller (Quelle: Messe Berlin). Der Markt smarter Geräte war spürbar gewachsen. Intelligente Technologie hatte sich in mehr Bereiche des Alltags ausgebreitet als je zuvor.

Die IFA drehte sich nicht nur um große Fernseher und Audio. Sie zeigte die Trends, die unser Wohnen verändern: smarte Küchen, Gesundheits-Wearables, KI-gesteuerte Haussysteme. Bei Entwurfreich besuchen wir Messen quer durch alle Branchen — von der Eurobike bis zum MWC in Barcelona. Wir verfolgen die Designtrends, die unsere Industriedesign-Arbeit prägen. Dieser ZOOM-IN Trendreport fasst die wichtigsten Erkenntnisse der IFA 2019 zusammen.

Fünf zentrale Trends der IFA 2019

1. Wie reifen Smart-Home-Ökosysteme?

Smart-Home-Geräte waren überall auf der IFA 2019. Aber der eigentliche Wandel waren nicht mehr Gadgets. Es war bessere Integration. Samsung, LG und Bosch zeigten Plattformen, die Licht, Schlösser, Kameras, Geräte und Heizung in ein System verbinden.

Samsungs SmartThings verband über 5.000 Drittanbieter-Geräte. Bosch präsentierte ihre Home-Connect-Plattform über Waschmaschinen, Öfen und Saugroboter hinweg. Der globale Smart-Home-Markt lag 2019 bei 80,2 Milliarden US-Dollar. Bis 2025 soll er 135,3 Milliarden erreichen (Quelle: Statista).

Für Produktdesigner verschiebt sich die Aufgabe. Statt einzelne Produkte zu gestalten, gestaltet man innerhalb von Ökosystemen. Wie spricht dein Gerät mit anderen? Was passiert bei einem Ausfall? Das sind Systemdesign-Fragen, nicht nur Produktfragen.

2. Warum werden KI-Assistenten zur Standard-Oberfläche?

Sprachsteuerung war der dominierende Interface-Trend der IFA 2019. Amazon Alexa, Google Assistant und Samsung Bixby waren in Fernseher, Lautsprecher, Kühlschränke, Öfen und sogar Duschköpfe eingebaut. Die Zahl der Alexa-kompatiblen Geräte überschritt im September 2019 die 85.000er-Marke (Quelle: Amazon).

Der Wandel ist grundlegend. Nutzer brauchen keine Bildschirme oder Tasten mehr. Sie sprechen. Für Industriedesigner ändert das den Auftrag. Ein Lautsprecher wird zur Oberfläche. Ein Küchengerät wird zum Voice-First-Gerät. Die physische Form muss eine primär unsichtbare Interaktion unterstützen — ein Thema, das wir auch auf der ISH-Messe im Kontext smarter Badezimmer erkundet haben.

ZOOM-IN IFA 2019 Trendreport-Titelseite mit Unterhaltungselektronik-Trends und Smart-Home-InnovationZOOM-IN IFA 2019 Trendreport-Doppelseite mit KI-Assistenten und vernetztem Gerätedesign

3. Was bedeuten 8K und Micro-LED für Display-Design?

Die Display-Hallen der IFA 2019 wurden von zwei Technologien beherrscht: 8K-Auflösung und Micro-LED. Samsung, LG und Sony zeigten 8K-Fernseher. Die Panels liefern die vierfache Pixelzahl von 4K — 33 Millionen pro Bildschirm. Inhalte hinken noch hinterher, aber die Hardware ist bereit. Der globale 8K-Display-Markt lag 2019 bei 2,5 Milliarden US-Dollar. Bis 2027 soll er auf 20,2 Milliarden wachsen (Quelle: Allied Market Research).

Micro-LED war die größere Story. Samsungs The Wall maß 292 Zoll. Es nutzt modulare Micro-LED-Kacheln, die zu jeder Größe und jedem Seitenverhältnis zusammengebaut werden können. Keine Hintergrundbeleuchtung, kein Einbrennen, perfektes Schwarz. Für Produktdesigner eröffnen modulare Displays neue Möglichkeiten. Bildschirme brauchen keine festen Maße mehr. Sie können sich dem Raum anpassen.

4. Warum ist Smart Cooking die am schnellsten wachsende Kategorie?

Vernetzte Küchengeräte waren die Überraschungs-Wachstumsstory der IFA 2019. Smarte Öfen mit eingebauter Kamera, App-gesteuerte Kaffeemaschinen und geführte Kochsysteme zogen große Menschenmengen an. Bosch — einer unserer Interviewpartner — zeigte Öfen, die Lebensmittel erkennen und Gareinstellungen vorschlagen. Thermomix präsentierte den TM6 mit WLAN, Touchscreen und Zugang zu über 40.000 geführten Rezepten.

Der Markt für smarte Küchengeräte lag 2019 bei 12,3 Milliarden US-Dollar (Quelle: Grand View Research). Der Reiz ist klar: Kochen ist eine tägliche Aufgabe, bei der Technologie Zeit sparen und Verschwendung reduzieren kann. Für Designer heißt das: Oberflächen neu denken. Ein 200-Grad-Ofen braucht Bedienelemente, die mit nassen Händen, auf Armlänge und bei Ablenkung funktionieren.

5. Wie wechseln Wearables von Fitness zu Gesundheit?

Smartwatches und Fitness-Tracker waren stark vertreten auf der IFA 2019. Aber das Narrativ verschob sich. Es ging nicht mehr ums Schrittezählen. Es ging um Gesundheitsüberwachung. Samsung zeigte die Galaxy Watch Active2 mit EKG-Sensor. Withings präsentierte eine Uhr, die Vorhofflimmern erkennt.

Der globale Wearable-Markt erreichte 2019 32,6 Milliarden US-Dollar (Quelle: IDC). Medizinische Features sind die nächste Grenze. Herzfrequenzvariabilität, Blutsauerstoff, Schlafqualität — diese Funktionen wandern von klinischen Geräten an Verbraucherhandgelenke. Bei Entwurfreich arbeiten wir an dieser Schnittstelle. Unser Temp+ Health Care Wearable und unsere 3D-gedruckten Wearables für Covestro zeigen, wie medizinische Sensorik und Produktdesign zusammenwachsen.

Interviews: Einblicke von Branchenführern

Michael Knappe & Andy Tsui — Harman

Harman (eine Samsung-Tochter) besitzt Marken wie JBL, Harman Kardon und AKG. Knappe und Tsui sprachen darüber, wie Audioprodukte über Klang hinaus wachsen. Smarte Lautsprecher sind jetzt Home-Hubs. Kopfhörer werden zu persönlichen KI-Schnittstellen. Ihre Sicht: Die Zukunft von Audio ist Ambient Computing.

Dr. Martin Strümpler — Bosch

Bosch ist einer der weltweit größten Hausgerätehersteller. Dr. Strümpler sprach über die Home-Connect-Plattform und wie vernetzte Geräte die Nutzerbeziehung verändern. Sein Punkt: Eine Waschmaschine, die deine Gewohnheiten lernt, ist nicht mehr nur ein Gerät. Sie ist ein Service.

Christian Schlünder & Damian Mackiewicz — Huemen

Huemen entwickelt smarte Lichtsysteme, die sich an circadiane Rhythmen anpassen. Schlünder und Mackiewicz sprachen über Human-Centric Lighting — ein Konzept, das die Farbtemperatur im Tagesverlauf anpasst. Ihre These: Licht ist die am meisten unterschätzte Oberfläche im Haus.

Tolya Polyanker — Logitech

Logitech hat sich von PC-Peripherie auf Videokollaboration und Smart Home ausgeweitet. Polyanker teilte mit, wie der Homeoffice-Trend die Nachfrage nach besseren Webcams, Mikrofonen und Licht antreibt. Seine Prognose von 2019: Homeoffice-Technik wird eine große Konsumentenkategorie. Er hatte recht.

Report-Vorschau

Unser ZOOM-IN Trendreport fängt die visuelle Essenz der IFA 2019 ein. Er deckt alle 26 Ausstellungshallen der Messe Berlin und den IFA-NEXT-Innovationsbereich ab. Der vollständige Report enthält Trendanalysen mit über 80 Originalfotos, unser Hot-or-Not-Feature und die kompletten Interviews mit Harman, Bosch, Huemen und Logitech.

ZOOM-IN IFA 2019 Trendreport-Interviewseiten mit Harman, Bosch, Huemen und LogitechZOOM-IN IFA 2019 Trendreport-Doppelseite mit Smart Cooking und Wearable-Gesundheitstechnik

Warum das für Produktdesign relevant ist

Die Trends der IFA 2019 gehen über Unterhaltungselektronik hinaus. Smart-Home-Ökosysteme, Sprachoberflächen und Gesundheits-Wearables verändern, wie Menschen in jedem Raum mit Produkten umgehen. Diese Muster gelten für jedes Gerät, das im Alltag eine Rolle spielt. Bei Entwurfreich sind Messen wie die IFA wesentlicher Input für unsere Designarbeit in Konsum- und Profiprodukten.

Unsere ZOOM-IN Trendreports machen diese Erkenntnisse zu klaren Einsichten für Designer, Produktmanager und Entscheidungsträger. Jeder Report kombiniert Vor-Ort-Fotos, Experteninterviews und Trendanalysen in kompaktem Format. Ob smartes Hausgerät, Audiogerät oder Wearable — die Makrotrends der IFA können einen echten Vorsprung verschaffen.

Wie sich diese Trends seit 2019 entwickelt haben

Anmerkung der Redaktion (2026): Die fünf Trends der IFA 2019 haben den Alltag verändert.

Smart Home: Das Matter-Protokoll (2022 gestartet) löste endlich das Kompatibilitätsproblem. Geräte verschiedener Hersteller funktionieren jetzt sofort zusammen.

KI-Assistenten: Sprachsteuerung ist Standard. Generative KI ist die nächste Stufe — Assistenten, die nicht nur Befehle ausführen, sondern Bedürfnisse vorausahnen.

8K und Micro-LED: 8K-Akzeptanz bleibt langsam wegen fehlender Inhalte. Micro-LED wächst schnell in gewerblicher Beschilderung und Luxus-Heimkino.

Smart Cooking: Die Kategorie explodierte während der Pandemie. Vernetzte Öfen und Koch-Apps sind jetzt Mainstream.

Wearable-Gesundheit: Smartwatches mit EKG, Blutsauerstoff und Temperaturmessung sind FDA-zugelassen. Die Grenze zwischen Verbrauchergerät und Medizininstrument ist fast verschwunden.

Entwurfreich verfolgt diese Entwicklungen durch unsere ZOOM-IN Reports und durch Projektarbeit in Bereichen wie Audioprodukte, Smart-Home-Schalter und medizinische Wearables.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist die IFA Berlin?

Die IFA (Internationale Funkausstellung) ist eine der weltweit größten Fachmessen für Unterhaltungselektronik und Hausgeräte. Sie findet jährlich auf der Messe Berlin statt. Die Ausgabe 2019 zog 245.000 Besucher aus 150 Ländern an und zählte 1.939 Aussteller in 26 Hallen (Quelle: Messe Berlin). Die IFA deckt alles ab: von Fernsehern, Audio und Smartphones über Smart-Home-Systeme und Küchengeräte bis zu Wearable-Technologie. Sie gilt als europäisches Gegenstück zur CES in Las Vegas.

Was waren die wichtigsten Trends der IFA 2019?

Fünf Trends stachen hervor. (1) Smart-Home-Ökosysteme reiften von Gadgets zu integrierten Plattformen — Samsung SmartThings verband über 5.000 Geräte. (2) KI-Sprachassistenten wurden zur Standard-Oberfläche, mit Alexa in über 85.000 Geräten. (3) 8K-Displays und Micro-LED-Technologie, mit Samsungs modularem The Wall mit 292 Zoll. (4) Smart Cooking als schnellstwachsende Kategorie, mit vernetzten Öfen und geführten Rezeptsystemen. (5) Wearable-Gesundheitstechnik von Fitness-Tracking zu medizinischer Überwachung, mit EKG-Sensoren in Verbraucher-Smartwatches.

Wer ist Entwurfreich?

Entwurfreich ist eine Industriedesign-Agentur in Düsseldorf. Seit 2012 hat das Team über 350 Projekte für 125+ Kunden realisiert, darunter ABB, Vodafone, Henkel, Coca-Cola, Fujifilm und Covestro. Die Arbeit umfasst Produktdesign, UX/UI, CMF-Design und Strategie — von Konsumelektronik bis Medizintechnik. Die ZOOM-IN Trendreports erfassen Trends von Messen wie IFA, Eurobike, ISH, Techtextil, MWC und Salone del Mobile. Jüngste Auszeichnungen: iF Design Award Gold 2024, Red Dot Best of the Best 2024, German Design Award Gold 2026. Mehr über unseren Designprozess erfahren.

Geschrieben von Matthias Menzel · 17. Oktober 2019