Salone del Mobile Milano 2019 Cover mit goldener Pendelleuchte vor tiefblauem strukturiertem Marmorhintergrund

Salone del Mobile 2019 Trends: Möbel, Materialien & die Zukunft des Wohnens

19. Mai 2019

Salone del Mobile.Milano 2019 — Mailand, 9.–14. April

Wo die Zukunft des Wohnens Gestalt annimmt

TL;DR — Fünf Designtrends vom Salone del Mobile Milano 2019:

  • Nachhaltigkeit zuerst — recycelte Materialien, Kreislaufdenken und transparente Lieferketten
  • Flexibles Wohnen — modulare Möbel für kleine Räume und wechselnde Bedürfnisse
  • Mutige Farben und Texturen — Maximalismus kehrt zurück mit satten Paletten und haptischen Oberflächen
  • Handwerk trifft Technologie — handgemachte Qualität gepaart mit digitaler Produktion
  • Immersive Markenwelten — Ausstellungsdesign wird zum räumlichen Erlebnis

Von wandelbaren Sitzmöbeln bis zu Ausstellungshallen voller recyceltem Verpackungsmaterial — der Salone del Mobile Milano 2019 zeigte, wohin das Wohnen geht. Die Messe ist das weltweit wichtigste Event für Möbel und Innenarchitektur. Über 386.000 Besucher aus 181 Ländern kommen jedes Jahr (Quelle: Salone del Mobile). Die Ausgabe 2019 zählte 2.418 Aussteller auf 205.000 Quadratmetern in der Fiera Milano Rho.

Neben der Hauptmesse gab es den Fuorisalone. Dieses stadtweite Programm aus Ausstellungen, offenen Studios und Events erstreckt sich über Mailands Designviertel. Es bietet Raum für konzeptuelle Arbeiten jenseits der Messehallen. Bei Entwurfreich besuchen wir Messen quer durch alle Branchen. Von der ISH in Frankfurt bis zum MWC in Barcelona verfolgen wir die Trends, die unsere Industriedesign-Arbeit prägen. Dieser ZOOM-IN Trendreport fasst die wichtigsten Erkenntnisse aus Mailand 2019 zusammen.

Fünf zentrale Trends des Salone del Mobile 2019

1. Wie verändert Nachhaltigkeit das Möbeldesign?

Nachhaltigkeit war das bestimmende Thema des Salone 2019. Sie ging vom Marketingversprechen zur materiellen Realität über. Marken zeigten Möbel aus Ozeanplastik, recyceltem Aluminium und biobasierten Verbundwerkstoffen. Kreislaufdesign war überall sichtbar.

Ecoalf präsentierte Sitzmöbel komplett aus recycelten Fischernetzen. Kartell brachte den A.I. Chair von Philippe Starck — den ersten Stuhl aus 100 % recyceltem Polycarbonat. Selbst Luxusmarken wie Moroso und B&B Italia betonten ihre Lieferketten-Transparenz. Laut der Ellen MacArthur Foundation wird weniger als 1 % der in Möbeln und Textilien verwendeten Materialien zu neuen Produkten recycelt. Die Botschaft auf dem Salone 2019: Das muss sich ändern. Nachhaltigkeit ist keine Nische mehr. Sie ist Grundvoraussetzung.

Für Produktdesigner ändert sich damit der Auftrag. Materialwahl beginnt jetzt beim Lebensende, nicht bei der Ästhetik. Wir haben dieses Thema in unserem Artikel über nachhaltige Designprinzipien vertieft.

2. Warum ist flexibles Wohnen der neue Standard?

Städtischer Wohnraum schrumpft. Neue Wohnungen in europäischen Städten sind kleiner als vor zehn Jahren. Möbel müssen sich anpassen. Auf dem Salone 2019 dominierten modulare Systeme.

Sofas, die sich in Sessel aufteilen. Regale, die für verschiedene Räume umgebaut werden. Schreibtische, die zu Konsolen werden. Der rote Faden: ein Produkt, viele Nutzungen. Muuto, Hay und Vitra zeigten Systeme, die auf Wandel statt auf Beständigkeit gebaut sind.

Dieser Trend trifft direkt auf unsere Designarbeit bei Entwurfreich zu. Ein Produkt, das sich dem Nutzer anpasst, hält länger. Es ist die gleiche Logik hinter empathischem Produktdesign.

ZOOM-IN Salone del Mobile 2019 Trendreport-Titelseite mit Möbeldesign-Highlights aus MailandZOOM-IN Salone del Mobile 2019 Trendreport-Doppelseite mit Materialtrends und Raumkonzepten

3. Wie kehren mutige Farben und Texturen zurück?

Nach Jahren skandinavischen Minimalismus kehrte Farbe ins Möbeldesign zurück. Der Salone 2019 war reich an tiefen Grüntönen, gebranntem Orange, Terrakotta und juwelenhaften Blautönen. Oberflächen wurden haptisch. Bouclé-Stoffe, gerippter Samt und rohe Steinoberflächen ersetzten die glatten, neutralen Paletten der letzten Jahre.

Baxter zeigte Sofas in tiefem Smaragdleder. Cassina brachte Charlotte-Perriand-Klassiker in mutigen neuen Farben heraus. CC-Tapis präsentierte Teppiche mit strukturierten, fast skulpturalen Oberflächen. Pantones Farbe des Jahres 2019 — Living Coral — war an Dutzenden Ständen zu sehen.

Dieser Wandel ist kein Zufall. Er spiegelt eine breitere kulturelle Hinwendung zu Wärme und Persönlichkeit in Innenräumen wider. Menschen wollen Räume, die bewohnt wirken — nicht inszeniert. Für Designer heißt die Aufgabe: Mut und Zeitlosigkeit in Balance bringen. Eine Trendfarbe verblasst. Ein gut gewähltes Material besteht.

4. Wo treffen sich Handwerk und Technologie?

Digitale Werkzeuge und handgemachte Qualität sind keine Gegensätze mehr. Auf dem Salone 2019 kombinierten mehrere Marken CNC-gefräste Präzision mit handveredelten Oberflächen. 3D-gedruckte Strukturen wurden mit handgewebten Textilien gepaart. Roboter-gebogenes Metall traf auf handwerkliche Lackarbeit.

Dornbracht — einer unserer Interviewpartner — ist ein Paradebeispiel. Ihre Armaturen vereinen fortschrittliche Technik mit einer haptischen Oberfläche, die sich handgefertigt anfühlt. Mike Meiré, ihr Kreativdirektor, sprach in unserem Interview über diese Balance.

Für Industriedesigner eröffnet dieser Trend neues Terrain. Digitale Produktion macht komplexe Formen bezahlbar. Aber die menschliche Note ist es, die emotionalen Wert schafft. Die besten Produkte vereinen beides.

5. Warum bauen Marken immersive Welten?

Der Fuorisalone hat verändert, was eine Markenpräsentation sein kann. 2019 gingen Unternehmen über Produktdisplays hinaus und schufen vollständige Raumerlebnisse. COS verwandelte einen Palazzo-Innenhof in eine Installation mit Architekt Arthur Mamou-Mani. Hermès baute eine traumhafte häusliche Landschaft. IKEA schuf eine immersive Wohnung zum Durchlaufen.

Das sind keine reinen Marketingaktionen. Sie zeigen einen Wandel in der Markenkommunikation. Das Produkt allein reicht nicht mehr. Kontext, Erzählung und sensorisches Erlebnis zählen. Für Designer, die an Ausstellungskonzepten, Showrooms oder Retail-Räumen arbeiten, zeigte der Salone 2019: Die Grenze zwischen Produkt und Umgebung löst sich auf.

Interviews: Einblicke von Branchenführern

Mike Meiré — Meiré und Meiré / Dornbracht

Mike Meiré ist ein Kölner Kreativdirektor, der Dornbrachts Markenidentität seit über zwei Jahrzehnten prägt. Im Interview sprach er über die Rolle von Kultur im Produktdesign. Seine Sicht: Eine Armatur ist nicht nur ein funktionales Objekt. Sie ist ein kulturelles Statement darüber, wie wir mit Wasser, Raum und täglichen Ritualen umgehen. Diese Perspektive hat Dornbracht zu einer der designstärksten Marken der Sanitärbranche gemacht.

Ann Zuber — Kymo

Kymo fertigt handgearbeitete Teppiche zwischen Kunst und Innenarchitektur. Ann Zuber sprach über Materialität, Handwerk und die Spannung zwischen Tradition und Innovation. Ihr Standpunkt: Ein Teppich ist der intimste Kontaktpunkt zwischen Mensch und Raum. Textur, Gewicht, Wärme — das sind Designentscheidungen, die prägen, wie ein Raum sich anfühlt.

Dr. Thomas Dienes — USM Haller

USM Haller ist eines der ikonischsten modularen Möbelsysteme der Welt. Dr. Thomas Dienes teilte seine Sicht darauf, warum ein 1963 entworfenes System heute noch relevant ist. Die Antwort liegt in radikaler Modularität. Jede USM-Einheit kann umkonfiguriert, erweitert oder umgewidmet werden. Das macht sie nachhaltig von Natur aus. In einer Welt schneller Möbel steht USM für das Gegenteil: ein Produkt, das Trends überdauert.

Das knüpft an ein breiteres Thema des Salone 2019 an. Die respektiertesten Marken waren nicht jene, die Neuheit jagten. Es waren jene, die Systeme gebaut haben, die flexibel genug sind, Wandel aufzunehmen.

Report-Vorschau

Unser ZOOM-IN Trendreport fängt die visuelle Essenz des Salone del Mobile 2019 ein. Er deckt sowohl die Hauptmesse in der Fiera Milano Rho als auch den Fuorisalone quer durch die Stadt ab. Der vollständige Report enthält Trendanalysen mit über 90 Originalfotos, unser Hot-or-Not-Feature und die kompletten Interviews mit Dornbracht, Kymo und USM Haller.

ZOOM-IN Salone del Mobile 2019 Trendreport-Interviewseiten mit Dornbracht, Kymo und USM HallerZOOM-IN Salone del Mobile 2019 Trendreport-Doppelseite mit immersiven Markeninstallationen und Materialinnovationen

Warum das für Produktdesign relevant ist

Die Trends des Salone 2019 reichen weit über Möbel hinaus. Nachhaltigkeit, Modularität, Materialehrlichkeit und Marken-Storytelling prägen jede Produktkategorie. Von Unterhaltungselektronik bis Medizintechnik gelten die gleichen Fragen. Welches Material erzählt die richtige Geschichte? Wie passt sich ein Produkt an veränderte Bedürfnisse an? Bei Entwurfreich sind Events wie der Salone wesentlicher Input für unsere Arbeit.

Unsere ZOOM-IN Trendreports machen diese Beobachtungen zu klaren Erkenntnissen für Designer, Produktmanager und Entscheidungsträger. Jeder Report kombiniert Vor-Ort-Fotos, Experteninterviews und Trendanalysen in einem kompakten Format. Ob neue Produktlinie oder Marken-Repositionierung — die Makrotrends aus angrenzenden Branchen können einen echten Vorsprung verschaffen.

Wie sich diese Trends seit 2019 entwickelt haben

Anmerkung der Redaktion (2026): Die fünf Trends des Salone 2019 haben die Branche nachhaltig geprägt.

Nachhaltigkeit: Nicht mehr optional. EU-Vorschriften zu Materialoffenlegung und Kreislaufdesign sind jetzt Gesetz. Marken, die früh begonnen haben, haben einen klaren Vorteil.

Flexibles Wohnen: Die Pandemie hat diesen Trend massiv beschleunigt. Homeoffice, Mehrzweckräume und anpassbare Möbel wurden zur Notwendigkeit.

Mutige Farben: Die maximalistische Welle hat sich in eine selbstbewusste Mitte eingependelt. Farbe wird jetzt erwartet, nicht als Ausnahme betrachtet.

Handwerk trifft Technologie: 3D-Druck und CNC sind Standardwerkzeuge in der Möbelproduktion geworden. Das handwerkliche Element bleibt der Differenzierungsfaktor.

Immersive Markenwelten: Jede große Marke investiert jetzt in räumliche Erlebnisse. Das Fuorisalone-Modell hat sich auf andere Branchen ausgebreitet.

Entwurfreich verfolgt diese Entwicklungen durch unsere ZOOM-IN Reports und durch Projektarbeit in Bereichen wie Medizinproduktdesign, Konsumgüter und Gebäudetechnik.

Like It. Share It.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Salone del Mobile Milano?

Der Salone del Mobile ist die weltweit größte und wichtigste Fachmesse für Möbel und Innenarchitektur. Er findet jeden April in der Fiera Milano Rho in Mailand statt. Die Ausgabe 2019 zog über 386.000 Besucher aus 181 Ländern an und zählte 2.418 Aussteller auf 205.000 Quadratmetern (Quelle: Salone del Mobile). Die Messe deckt alles ab: von Möbeln und Beleuchtung über Küchensysteme bis zu Bürodesign. Begleitet wird sie vom Fuorisalone, einem stadtweiten Programm aus Ausstellungen, Installationen und Events in Mailands Designvierteln.

Was waren die wichtigsten Trends auf dem Salone del Mobile 2019?

Die fünf zentralen Trends waren: (1) Nachhaltigkeit als materielle Realität, mit Marken, die recyceltes Ozeanplastik, biobasierte Verbundwerkstoffe und Kreislaufdesign einsetzten; (2) flexibles Wohnen durch modulare Möbelsysteme für kleinere urbane Räume; (3) die Rückkehr mutiger Farben und haptischer Texturen nach Jahren des Minimalismus; (4) die Verschmelzung von Handwerk und Technologie, bei der CNC-Präzision auf handgefertigte Oberflächen trifft; und (5) immersive Markenwelten, in denen Ausstellungsdesign zum räumlichen Erlebnis wurde. Diese Trends sind inzwischen Standardpraxis in Möbel- und Produktdesign.

Wer ist Entwurfreich?

Entwurfreich ist eine 2012 gegründete Industriedesign-Agentur in Düsseldorf. Das Team hat über 350 Projekte für mehr als 125 Kunden realisiert, darunter ABB, Vodafone, Henkel, Coca-Cola, Fujifilm und Covestro. Die Arbeit umfasst Produktdesign, UX/UI-Design, CMF-Design und Designstrategie in Branchen von Unterhaltungselektronik bis Medizintechnik. Die ZOOM-IN Trendreports erfassen Designtrends von Messen wie Salone del Mobile, ISH, BAU, MWC und Dutch Design Week. Jüngste Auszeichnungen: iF Design Award Gold 2024, Red Dot Best of the Best 2024 und German Design Award Gold 2026. Mehr über unseren Designprozess erfahren.

Geschrieben von Matthias Menzel · 19. Mai 2019